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Gentechnologie und Entfremdung

– Formulieren wir es allgemein: »… denn sie wissen nicht, was sie tun«. Ein US-amerikanischer Film aus 1955 über eine Generation auf der Suche nach Orientierung im Leben.

Stellen Sie sich vor, Sie sind der letzte Mensch auf Erden – und Ihnen kommt rückblickend auf Ihre Zeitgenossen und in der Gewahrwerdung, dass Sie einsam übrig geblieben sind, der Gedanke in den Sinn: »Wir wussten nicht, was wir tun«.

Es ist ähnlich eines unbedarften Schafs inmitten eines Rudels satter Wölfe: Die Einsicht dieses Schafs könnte zu spät sein, dass der wohl gefüllte Bauch samt beseelter Sättigung der Wölfe endlich sein könnte …

Wir sind seit Menschengedenken nicht in der Lage zu schützen, was Grundlage unseres Lebens ist. Wir hören heute gar von einem »Klimawandel« und lesen von Gefahren »für die Welt«: gerne mit dem nicht sterbenden Possessivpronomen »unsere Welt«.
Wer auch immer Erfinder dieser Besitzanzeige war …

Als letzter Mensch mal rückblickend erfragt: Wie sind die Menschen denn an diesen Punkt gekommen, nicht nur sich selbst durch immer effizientere Techniken und weltumspannende Kriege zu gefährden und zu »dezimieren«, vielmehr neuerdings »die ganze Welt«?

Wie schaffen wir das nur?

Was treibt, was macht?

Wir selber wollen nur witzige, coole Produkte machen, so Glowing-Plant Gründer Evans 2014 über das gentechnologische Vorhaben der »Synthetik Biologie«, Gene, die für die bioluminiszierende Eigenschaften bei Bakterien zuständig sind, in höhere Pflanzen einzuschleusen: anstatt leuchtende LED-Straßenlaternen nun leuchtende Straßenbäume, anstatt Solarleuchten in den Gartenboden gesteckt, flimmernde Rosen in der hauseigenen Nacht …

Bei Lebensmittel ist die Gefahr nicht absehbarer Konsequenzen viel größer, so Evans. Immerhin leuchtet in dieser Aussage hindurch, dass die Gefahr »nicht absehbarer Konsequenzen« bei seiner Geschäftsidee als »kleines Start-up« zwar kleiner zu benennen sei – aber nicht gleich Null.

Der Blick eines Ökologen auf diesen geschäftstüchtigen Start-up-Unternehmer dürfte kritischer sein als dieser Vergleich eines Herrn Evans zwischen Teufel (Lebensmittelindustrie) und eigenem Belzebub (nur leuchtende Zierpflanzen).

Wir würden gerne in jedem Eigenheim genetisch modifizierte Pflanzen sehen, so Evans bei techcrunch [Englisch].

Diese Zielsetzung ist nun nicht sonderlich originell: Alle wollen doch ganz gern so viel Geld wie möglich von allen …

National ist diese Zielsetzung gleichfalls profan: amerikanische Mentalität öffnet solchen »Start-ups« rund um Gene rascher die Türen zum Verbraucher als die Europäer. Europa erscheint nur zögerlicher, jedoch, sofern es der Wirtschaft zu dienen scheint, findet diese »Vorreiterrolle« der US auf kurz oder lang einen vergleichbaren Platz: Gemacht wird am Ende, was möglich ist …[1]

[1] Grundsätze des Gentechnik-Rechts der EU: Sicherheit und Wahlfreiheit der Mitgliedstaaten. Die eingeräumten Sonderwege für die einzelnen europäischen Nationen werden dafür sorgen, dass im globalen Geschäft national-wirtschaftliche Eigeninteressen jede ethische und ökologische Kritik verstummen lassen. »Glowing-Plant« mag auf EU-Ebene noch kein Thema sein; ökologisch aber ist es vollkommen gleich, ob leuchtende Zierpflanzen für Nachttisch, Garten und Straße erst in der kommenden Generation auch in den Staaten der EU zu kaufen sein werden.

Ist es nicht befremdlich, dass es uns wohl im gelebten Alltag an einem Bewusstsein für die heimische Flora und Fauna mangelt, wir irgendwie nicht mehr so recht beheimatet erscheinen und dass unsere Fußstapfen, die wir hinterlassen, wohl möglich kaum nachhaltig oder ökologisch zu benennen sind – und unser Markt indessen danach strebt, uns genetisch veränderte Organismen – die wir noch weniger verstehen – zu verkaufen: für Haus, Garten und öffentliches Grün?

Skizzenhaftes:

Vergleiche: Die Frage nach dem, was möglich ist sowie Gentechnologie – und das Gerede von einem verschwundenen Rosenduft alter Zeiten.


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