Die wichtigsten Vermehrungsformen von Rosen
Stecklinge – Absenker – Wurzelausläufer – Okulation
- Vermehrung von Rosen via Stecklinge
- Absenker
- Wurzelausläufer
- Die Okulation (sogenannte „Veredelung“)
Vermehrung von Rosen via Stecklinge
- Schneiden Sie einen Blüten-Trieb (verblühte Triebe gehen auch) tief unten ab.
- Schneiden Sie Trieb-Teilstücke mit jeweils 4-5 Augen, indem Sie 1 cm unterhalb eines Auges schneiden, dann nach oben abzählen.
(Begriffserklärung „Auge“):

Augen = „Knospen“; die sitzen dort, wo das Laub am Trieb ist.
Rosenauge, hier rötlich, links und rechts sitzen noch Stacheln, oberhalb das Nebenblatt.Das Laub ist schon abgeschnitten, Stacheln und Nebenblatt sind noch am Trieb. Stacheln und Nebenblatt werden erst kurz vor dem Vermehren entfernt.
Pro Trieb-Teilstück etwa 4-5 Augen.
Diese Trieb-Teilstücke sollten nicht weich sein (wie die Spitze eines Triebes). Von diesen festeren Teilstücken zählen Sie von unten 2-3 Augen, die in die Erde kommen: von diesen Augen reißen Sie das Laub samt Nebenblatt nach unten ab und entfernen nur in diesem Bereich die Stacheln vom Trieb (abbrechen oder abschneiden). Laubreste und Stacheln würden im Boden nur faulen, was für die Wurzelbildung natürlich nicht gut ist.
Bei den restlichen Augen der Teilstücke (etwa 2 Augen reichen), die aus der Erde schauen sollen, SCHNEIDEN Sie das Laub, kürzen es auf zwei Fiederblätter ein (oder schneiden es bis aufs Nebenblatt ganz ab, siehe Abbildung).
Und Sie lassen alle Stacheln an diesem aus der Erde schauenden Triebbereich am Trieb. Dieses Laub schneiden und Stacheln belassen im oberen Bereich des Triebes verhindert ein Austrocknen des Stecklings.
- Suchen Sie einen schattierten bis schattigen, wenngleich hellen Platz im Garten – halt ein Platz mit wenig Sonneneinstrahlung.
Haben Sie einen fetten (lehmig-tonigen) Boden, mischen Sie bitte via Spaten gewaschenen Kies („Sand“) in die Erde, dies verbessert die Struktur und Drainage des Bodens für Stecklinge.
- Setzen Sie die vorbereiteten Stecklinge in den gelockerten Boden, drücken Sie das Erdreich um die Stecklinge etwas an, so dass der Steckling sich gut setzt. Nun gießen Sie satt aber behutsam.
- Bereich feucht halten – jedoch nicht naß.
Wenn Sie gießen, stets ordentlich, damit das Wasser auch unten ankommt.
Setzen Sie durchaus mehr Stecklinge als Sie benötigen – Sie werden (stets) Ausschuß haben …
Solange die Triebe grün sind, ist alles in Ordnung.
Werden Sie zunehmend braun, haben Sie Ausschuß.
Per Steckling im Land vermehrte moderne Sorte ‘Distant Drums’ in einem Verkaufstopf verpflanzt.
Treiben die Stecklinge zu früh, innerhalb der ersten 14 Tage, sollten Sie diesen frühem Austrieb mit einer Schere die Spitze wegnehmen, so stockt dieser Austrieb;
dieser frühe Austrieb versorgt sich durch den Trieb selbst (wie bei einem umgefallenen Baum ohne Wurzeln im Erdreich). Dies geht auf Dauer natürlich nicht!
Durch den kleinen Schnitt des verfrühten Austrieb regen Sie erneut das Ausbilden von Wurzeln im Boden an …
Fotos, wie Stecklinge im Boden ausschauen.
Absenker
Das leichteste Verfahren sind die sogenannten Absenker: Sie regen Triebe der Mutterpflanze dazu an, Wurzeln zu bilden, ohne diese Triebe von der Mutterpflanze zu trennen.
Leiten Sie hierfür einen frischen Trieb der Sorte auf den Boden respektive in einer Mulde des Bodens und sorgen Sie stets dafür, dass dieser Teil des Triebes mit Erdreich bedeckt ist (es sollten einige Blattachsen dabei sein); fixieren Sie diesen Trieb im Erdreich (etwa mit kleinen Holzgabeln) und halten Sie diesen Bereich feucht.
Oftmals bilden sich an solcherart niedergelegten Trieben Wurzeln aus. Etwas Geduld aber sollten Sie mitbringen. Der Erfolg
zeigt sich mitunter erst im folgendem Jahr.
Besonders leicht geht dieses Verfahren bei Rosen mit langen, biegsamen Trieben.
Wurzelausläufer
Streng gesehen ist dies keine Vermehrungsform, wenigstens nicht von Ihnen in Gang gebracht – die Rose selbst vermehrt sich hierbei.
Sofern die Rosensorte auf eigenen Wurzeln steht, finden sich besonders bei etablierten Pflanzen Wurzeln, die zur Erdoberfläche wachsen und zu einem mit der Mutterpflanze identischen Abkömmling werden, sogenannte Wurzelausläufer – für manche eine Freude, für andere eine Last. Diese kleinen Pflänzchen können Sie beherzt durch einen Spatenstich oder mittels Rosenschere von der Elternpflanze trennen und verpflanzen (oder verschenken oder kompostieren). Vielen Rosengärtnern/-innen dürfte diese Art der Vermehrung vertraut sein …
Die Okulation (sogenannte „Veredelung“)
Wenn man nicht alles selber macht …
Aufbau einer veredelten Rose.
Die Okulation ist seit ihrer Einführung durch Guillot (fils) im Jahr 1849 die wichtigste und die meistverbreitete Art, Rosen zu vermehren.
Über den zeitlichen Ablauf der Okulation finden Sie eine kleine Bildergeschichte unter
Das Veredeln von Rosen – Einblicke.
Das Handwerk des Veredeln anhand einiger Fotos, siehe ebenda:
Arbeitsschritte.
Hier seien einige der Vor- und Nachteile dieser Vermehrungsform genannt:
Die Vorteile sind: vergleichsweise wenig Vermehrungsmaterial ermöglicht die Gewinnung hoher Stückzahlen; aus einem Rosentrieb (sogenannte Reiser) können um die fünf und mehr Rosen vermehrt werden. Im Vergleich: Bei der Stecklings-Vermehrung ist aus einem solchen Trieb oftmals nur eine einzige Vermehrung möglich. Diese hohe Vermehrungsquote hat mit dazu beigetragen, dass Rosen ihre Verbreitung fanden, wie wir es heute gewohnt sind. Ferner verdanken einige Sorten ihr Dasein der Okulation, denn viele Sorten gedeihen auf eigenen Wurzeln schlecht oder gar nicht.
Unterlagen für die Vermehrung von Hochstämmen.
Früher Austrieb bei veredeltem Hochstamm.
Für Hochstämme ist die Vermehrung durch Okulation kaum zu ersetzen. Auch von Haus aus niedrige Sorten finden so ihren Platz hoch oben.
Ohne Okulation wäre die Preispolitik bei Rosen auch eine andere. Nur wenige Arten und Sorten lassen sich via Okulation nicht oder schlecht vermehren; in der Regel aber ist nicht nur die Vermehrungsrate bei der Okulation hoch und der Arbeitsaufwand im Vergleich gering, vielmehr konnten Rosen zu einem „erschwinglichen“ Massenartikel werden. Dies freilich mag man je nach Sichtweise als Vor- oder als Nachteil lesen …
Für die Vermehrung durch Okulation benötigt die Rosenschule Wildrosen, die sogenannten Unterlagen, in deren Wurzelhals das „Auge“ eines Edelreis eingesetzt wird; als „Augen“ werden die Knospen an den Trieben im Fuß des Laubblattes bezeichnet. Die Produktion und die Selektion sowie der Einsatz von geeigneten Unterlagen beschreibt heute einen eigenen Markt.
Die Veredelung geht als Technik auch nicht gleich leicht von der Hand, es bedarf einer gewissen Übung und Erfahrung, will man diese Vermehrung erfolgreich einsetzen.
Es sei auch nicht verschwiegen, dass das Erscheinungsbild veredelter Rosen sich von dem Erscheinungsbild wurzelechter Rosen oft unterscheidet. Dies betrifft zum Beispiel die Eigenschaften Wuchs
und Blühverhalten bis hin zu dem leidigen Problem der sogenannten Wildtriebe bei veredelten Sorten: Wurzeln der Unterlagen wachsen aus dem Erdreich zu einem Spross.
Diese Wildtriebe rauben der veredelten Rose auf Dauer die Kraft und sollten entfernt werden. Die Lebensdauer veredelter Rosen, insbesondere von Sorten, die nicht auf eigenen Wurzeln gedeihen, ist geringer als bei wurzelechten Rosen.
Der „tausendjährige Rosenstock“ am Dom zu Hildesheim ist als okulierte Rose nicht denkbar.
Gärtnerisch betrachten aber gelte: Rosen, die wurzelecht gedeihen, sollten auch wurzelecht kultiviert werden. Dies ist leider durch die Vermarktung der Rose – Produktion, Kostenkalkulation, Abdeckung der Nachfrage – nicht immer unmittelbar möglich.
So manche Rose freilich ist diesbezüglich viel klüger und besser unterwegs als der Rosenmarkt: Rosen stoßen mitunter im Laufe der Jahre ihre (überflüssige) Unterlage ab, sobald sie anfangen, eigene Wurzeln zu bilden …