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Das Veredeln von Rosen

– Einblicke

Veredelungsflächen Veredelungsfläche mit frisch gepflanzte Unterlagen.

Drillingsstämme - noch nicht veredelt Drillingsstämme im April, noch nicht veredelt …

Hochstamm veredelt Hochstamm veredelt, etwa September des selben Jahres. (Wer genau hinsieht, in der Mitte wächst schon das Auge durch das Pflaster)

blühender Drillingsstamm Etwa 2 Jahre nach Okulation, Drillingsstamm im Verkauf.

A-Güte bei Hochstamm A-Güte bei Hochstämmen: zwei bis drei treibende Augen.

A-Güte Hochstamm Vier Augen, was aber nicht Not tut.

C-Güte Hochstamm C-Güte; leider missglückt; Ausschuss bei ‘Muscosa’.

vorzeitiger Austrieb bei Okulation Durchtrieb schon kurz nach Okulation im September, Oktober.

vorzeitige Blüte bei Okulation Erste Blüte von ‘Sweet Pretty’, ca. vier Wochen nach Okulation.

vorzeitiger Austrieb bei einem Hochstamm Vorzeitiger Austrieb bei einem Hochstamm, Pflaster sind noch weich, sauber, wie frisch gesetzt …

zeitlicher normaler Austrieb einer Veredelung … zeitlich normaler Austrieb, Mai des folgenden Jahres. (2 Fotos)

zeitlich normaler Austrieb einer Veredelung Und nun wiederholt die Spitzen schneiden, für eine gut verzweigte Pflanze …

Neutriebe (rötlich) im September … gut verzweigt, Neutriebe (rötlich) bis in den September, hoffentlich härten sie zum Winter noch aus!

A-Güte bei Okulation Qualitätskriterien Wurzelware: ab drei Grundtrieben bei den meisten Sorten.

Seitentriebe bei Okulation Seitentriebe bis 5 cm oberhalb der Okulation gelten als Grundtriebe.

Weitere Beispiele Weitere Beispiele:
Rose oben ist sehr schön geworden …

sortenabhängige gute Verzweigung … und hier besonders kräftig verzweigt (oft sortenabhängig) …

weniger gute Verzweigung … und mitunter halt weniger gut verzweigt.

missglückte Veredelung Hier treibt nur die Unterlage; ca. 20% Ausschuss ist einzurechnen.

vermehrte Rosen in Blüte Vermehrungsfläche in sommerlicher Blüte … im Herbst wird gerodet …

getopfte Rose Geschafft: Frühjahr nach Rodung, geerntete und getopfte Rose …

Pflege der Vermehrungsflächen Damit der Boden sich erholt, noch Tagetes und Lupinen auf die alte Vermehrungsfläche.

Rosenverkauf auf einem Markt Die richtigen Sorten vor zwei Jahren vermehrt? – Auf einem der Märkte …

Containerware in der Rosenschule … und in der Rosenschule.

Rosentage und Verkauf Rosentage im ehemaligen Produktionsbetrieb – ein Drillingsstamm sollte es sein …

Rosentage und Verkauf … nun als Solitär im Garten …


Zeitrahmen, Ausschuss und Lizenzen

Die Veredelung von Rosen ist recht zeit- und arbeitsintensiv. Ist das Veredelungsmaterial (die Reiser) verfügbar, dauert es vom Aufpflanzen der Unterlagen bis zum ersten Austrieb der veredelten Rose im Topf oder Garten rund zwei Jahre.

Sind nur wenige Augen verfügbar, dauert die Einführung einer neuen Sorte in adäquaten Stückzahlen für den Verkauf mitunter 3–4 Jahre.

Wuzelware Fertig gebündelte Wurzelware nach ca. 1,5–2 Jahren – für das Topfen (oder für den Versand).

Geduld sei eine Tugend des Rosengärtners … Ebenso eine gewisse Gelassenheit: Der Ausschuss bei den Unterlagen und später bei den Veredelungen liegt etwa zwischen 10–30%.
Durch die Unberechenbarkeit und Tücken der Winter 2010/11 und 2011/12 lag dieser Ausschuss bei nicht wenigen Rosenschulen gar weit über 30%. Ein solcher Ausschuss kann schon ordentlich an der Existenz rütteln.
Auch Unwägbarkeiten spielen – wie überall – eine Rolle, etwa das Abdriften eines Total-Herbizids vom Nachbarfeld auf meine Vermehrungsfläche; so passiert Frühjahr 2012 mit einem Schaden von einigen zehntausend Euro. Ein Schaden, auf dem ich rechtlich, versicherungstechnisch und moralisch sitzen geblieben bin und der mir bald meine berufliche Existenz nahm. Und, ich darf es ergänzend hinzufügen, der mir psychologisch einiges abverlangte, über 1,5 Jahre weiter Tag für Tag auf dieses Pachtland zu müssen, um den alternativlosen Abbau der Rosenschule stillschweigend organisiert zu bekommen. Über solche Erfahrungen ist es nicht leicht, bestätigend zu lächeln, wenn Kunden meinen, was für einen schönen Beruf ich doch habe, so den ganzen Tag mit all diesen schönen Rosen …

Eine weitere Überschrift Wert: Sie bezahlen Lizenzen beim Kauf Moderner Rosen.

Züchter wollen Ihre Arbeit bezahlt bekommen. Richtig so. Wir Rosenschulen bezahlen an die Züchter Lizenzgebühren, um die jeweiligen Rosen und Stückzahlen vermehren und vertreiben zu können. Diese Mehrkosten gebe ich weiter; und ich weiß von keiner Rosenschule, die es nicht ebenso handhabt. Der Kunde bezahlt am Ende die Lizenzgebühr an den Rosenzüchter.

Leider ist es üblich, dass bei Lizenz-Rosen pro eingesetztes Auge bezahlt werden muss, nicht pro angewachsenes Auge. So liegt das Risiko beim Veredler – und ist die Sorte ein Ladenhüter, nun, dann hat man viele schöne Rosen einer Sorte für den eigenen Garten vermehrt, sofern ich hier etwas spötteln darf …
Das Veredeln ist also auch jedes mal ein wirtschaftliches Risiko für die folgenden 2–3 Jahre.

Das Veredeln selbst …

Die wichtigsten Werkzeuge:

Okulier-Messer Okuliermesser …

Schleifstein und Schleifstein …

Okulette sowie Veredelungs­pflaster, die sogenannte Okulette.

Das Veredeln selbst erfordert etwas Geschick und Übung: Zunächst heisst es, Reiser (Triebe) der Sorten zu schneiden, die man vermehren will, dies erfordert einige Erfahrung. Denn nicht jeder Rosentrieb ist geeignet und auch sortenspezifische Unterschiede sind zu beachten. Sind die Reiser zur Hand, folgt das Entblättern derselben per Schnitt (das Nebenblatt bleibt stehen), die Etikettierung und, sofern möglich, die sofortige Veredelung: das Entfernen der Stacheln, das Nebenblatt abreißen, das freigelegte Auge aus dem Reiser schneiden und das Holz vom Auge zügig abziehen. In den freigelegten Wurzelhals der Wildrose (Unterlage) erfolgt sogleich ein kleiner Längsschnitt, oberhalb ein Querschnitt: der sog. T-schnitt. Die so entstandene Tasche wird geöffnet, das Auge eingesetzt und das überstehende Fähnchen am Querschnitt abgeschnitten – gegen Nässe und Schmutz nun ein Pflaster drauf. Fertig!
Die Arbeitsschritte in Bildern.

Das Veredeln dauert zwar nur wenige Sekunden, multipliziert aber mit einigen tausend bis – je nach Größe der Rosenschule – einigen hunderttausend Veredelungen pro Saison innerhalb von nur weniger Wochen, in der die Unterlagen bereitwillig die Rinde lösen, um das Auge auch aufzunehmen, ist das Zeitfenster knapp und die Arbeit muss organisiert und konzentriert erfolgen. Besonders dann, wenn einige hundert Sorten zur Veredelung anstehen …

Welche Sorten soll ich nur veredeln? – Und das ganze Drumherum …

Globus 30000 Sorten weltweit

Quelle Foto: Wikimedia. Mir gefällt diese idealisierte Darstellung einer blau-grünen Erde. Die Rosenkultur sollte Teil des ökologischen Gedankens sein, den diese Darstellung wachrufen kann.

Zu dieser recht monotonen Arbeit des Veredeln (die aber zugleich sehr viel Spaß macht!) kommt das Aussuchen der (neuen) Sorten. Die Beschaffung neuer Sorten ist mitunter recht aufwendig und (mit Verlaub) nicht selten teuer. Zunächst ist Recherche angesagt: stimmen die Eckdaten der Rosen, z.B. Name, Herkunft usw.. Und natürlich die Frage: sind die neuen Sorten für den hiesigen Raum geeignet? …
Weil von den recherchierten, neuen Sorten keine Reiser verfügbar sind, werden die Augen oder notfalls ganze Pflanzen zugekauft. Sind die neuen Rosen oder Reiser da, folgt die Festlegung deren Stückzahlen … die Beschaffung der Lizenzen …

Der Altacker will auch gepflegt sein: das Ab- und Anhäufeln der neuen Unterlagen … die Veredelung und die Pflege der Rosen vom Vorjahr auf dem Acker … schließlich das Roden (also die Ernte) der Rosen … das Einlagern … die Nachbearbeitung der Böden durch Gründüngung … das Topfen der Ernte, der Verkauf …

Bis eine Rose im Garten oder Park eingepflanzt werden kann, sind eine Vielzahl von Arbeitsschritten notwendig. Und ohne Wissen, Übung und Erfahrung geht es auch hierbei nicht …


Tipps

Weitere Infos über die verschiedenen Vermehrungsformen bei Rosen, siehe: Rosen selbst vermehren (Seite Auftragsveredelungen).


Handskizze zum Rosenseminar Rosen veredeln Qualitätskriterien bei Rosen.


Worterklärung

Rosenvermehrung (Okulation) und Rosenzucht

Gelegentlich verwechseln Kunden beides. Der Unterschied aber ist einfach: Die Okulation vermehrt bestehende Sorten. Die okulierten Rosen sind quasi genetisch identisch mit den Elternsorten, die lizenzierte oder freie Sorten sein können.
Die Rosenzucht indessen kreuzt zwei verschiedene Sorten. Rosenzucht mischt quasi Gene. Aus dieser Kreuzung entsteht – so Gott es will – eine neue, schöne Rose mit einer Neukombination der Erbinformationen der beiden jeweiligen Sorten und natürlich deren Eltern. Diese Neukombination der Gene können somit auch Merkmale ausprägen, die beide Kreuzungspartner nicht zeigen, wohl aber deren Ahnen und Urahnen.

Kurzum: Okulation heißt Brötchen backen nach Rezept, Rosenzucht indessen mischt zwei bewährte Rezepte zu einem neuen Gebäck.
Mein Job in der Rosenschule ist es, Brötchen zu backen.


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