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Die Frage nach dem Sortiment

Die jährliche Suche nach Rosen

In der Zeit der reinen Produktion (für Direktvermarktung und Wiederverkauf) vermehrte ich damals (bis etwa 2012) pro Jahr zwischen 300–350 Arten und Sorten aus den drei großen Rosengruppen und aus fast allen Rosenklassen. Bummelig 1/4 des Bestandes wechselte ich Jahr für Jahr. Mit neuen Sorten, die Freunde und Bekannte herantrugen, mit Sorten von Hobby-Züchtern, mit Fundrosen und lizenzierten Neuheiten größerer Züchter, mit Sorten aus der Recherche im Netz. Rosen aus Skandinavien, den Vereinigten Staaten, Reiser aus Holland und dem benachbarten Dänemark, Rosen aus Russland, Italien und – weiß der Himmel – natürlich auch aus Deutschland.

Der Zukauf von Wurzelware betrug im Jahr rund 20%. Mir unbekannte und gänzlich neue Schönheiten kamen auch auf diesem Weg ins Haus. Getestet, gegebenenfalls vermehrt und wieder aus dem Sortiment genommen, wenn sie hier nicht sein wollten. Der Vermehrungsacker und die damalige Topfkultur erlaubte immerhin eine »Probezeit« der jeweiligen Sorten von rund 3 Jahren. Da sammelt man schon taugliche Erfahrungen mit den Rosen des Marktes und kommt rasch zu dem Schluss, dass man nicht unbedingt alles im hiesigen Raum pflanzen muss …


Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre …

Wenn die Vermehrungsfläche endlos mit wachsen könnte, wenn meine Arbeitsgeschwindigkeit sich verzehnfachen ließe, wenn ich keinen Schlaf bräuchte und alles andere im Leben zweitrangig wäre, dann wäre mein Sortiment RIESIG.

Anderseits: Diese Vorgehensweise – Neulinge rein, andere Sorten raus – hielt mich stets auch lebendig. Und so mancher Sorte, Sie verzeihen es mir, trauere ich überhaupt nicht nach. Rosensorten bewahren, Ja. Aber muss man das bei allen Sorten im nass-kalten Schleswig-Holstein leisten? Rosen sammeln, Nein. Es war nie meines, das Ziel 1000 und 1 Sorten. Eine erschlagend große Auswahl ist nicht immer die beste, besonders dann nicht, wenn es an Beratung und Informationen mangelt.[*]

[*] Anmerkung Januar 2019: Mittlerweile liegt die Zahl meiner Arten und Sorten irgendwo zwischen 700 und 800. Mir eigentlich schon zu viel. Ich bin zwar ein “(Rosen-) Jäger”, aber kein “Sammler”. Letzteres würde den Rosen, die hier nicht wachsen, auch nicht gut tun. Also lasse ich es, dieses SAMMELN. Dies war auch die Geburtsstunde meines sogenannten »Sichtungsbeetes«: Da kommen alle Rosen rein, die neu sind für mich – und die ich nicht im Garten pflanzen will (die machen nur Arbeit!).
Hier muss natürlich jeder seinen eigenen Weg finden.


Ein schönes Ziel für den Garten: Rosen, die darin auch wachsen

Spaß daran zu haben, mit Rosen zu gärtnern. Es stiftet Sinn und man ertappt sich dabei, wie man die Hand zärtlich über ein Blütenblatt streifen lässt, es dann unmerklich zerrupft, daran schnuppert und LÄCHELT. Rosen sind schon was Dolles.
Einen Beitrag zur Kultur leistet man auch. Sei es, indem man sein Wissen weiter gibt oder eine Sorte hält, die einfach keiner kaufen will – und sie dennoch jedes Jahr stur neu veredelt. Und dann, keiner weiß warum, sind die Kunden doch da! Nur verdient habe ich an dieser Sorte im Mittel über die Jahre nichts. Das Geld brachten stets andere Sorten, Neuheiten, Sorten international bekannter Züchter, Zeitgeschmäcker: gestern die »Alten Rosen«, hier die »Englischen«, dort Rosen aus Frankreich (Haben Sie keine Delbard-Rosen?).

[Ergänzt mit Anmerkung 2019:]

Im Rahmen des Gartens bieten wir (seit 2016) Arten und Sorten an, von denen wir meinen: Die wachsen und gedeihen hier im »nasskalten Norden«. Also, in unserem Garten an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins und in Ihrem, insofern die Standortbedingungen ähnlich sind. Dies betrifft insbesondere die geografische, wetter-technische Lage.

Rosen, die, verkürzt gesagt, in unserem Garten (sorten- oder standortbedingt) nicht wachsen, schmeißen wir raus – und folglich fliegen diese Rosen auch aus dem Verkauf. Denn wir verkaufen nur noch solche Rosen, die in unserem Garten stehen und dort gedeihen.
Diese »Verkaufsstrategie« war in der Rosenschule nicht immer möglich; jetzt empfinden wir es als Luxus, unser Sortiment ohne nennenswert einschränkende Kommentare zu den Sorten auf solche Rosen ausrichten zu können: Die Dinger wachsen hier! Kannste bei uns im Garten kucken! Und Sie können das somit dann selbst beurteilen, anhand der hoffentlich aussagekräftigen Bilder und Beschreibungen hier im Netz – oder (viel besser) bei einem Besuch unseres Gartens.

Ich komme nicht umhin, zu betonen, dass diese Verbindung von Garten und Verkauf für einen ehemaligen (reinen) Produktionsbetrieb ein wahrer Segen ist – und es der Rosenkultur allgemein und dem Rosenverkauf speziell gut stünde und es beiden auch langfristig und nachhaltig gut täte, wenn aus der Vielzahl der international verfügbaren Sorten der Blick der Gärtner/-innen wieder verstärkt darauf ausgerichtet werden könnte, über Rosen hier wie da Tacheles reden zu können: als ein regionales, standortorientiert zu pflanzendes Gehölz für Garten, Park und Landschaft. Der Rosenmarkt mit seiner angebotenen Blütenpracht ist international, unsere Gärten aber sind es nicht. In denen pflanzen wir besser mit gärtnerischer Weitsicht taugliche Gehölze: Die schenken Freude und tun nebenbei auch der Natur (der sogenannten Umwelt) gut. Wenigstens ist dies meine Lehre nach 20 Jahren auf dem Rosenmarkt:

Am liebsten vermehre, pflanze und verkaufe ich Rosen, die hier in meiner Wahlheimat auch wachsen, die hier sein wollen und Spaß machen.

Das liebe Geld und etwas Luxus

Als Inhaber eines Produktionsbetriebes in der Direktvermarktung aber war es gar nicht so leicht, solche Sorten zu bevorzugen. Gefragt wird quer Beet. Was auch immer ich zu den gewünschten und von mir angebotenen Sorten zu sagen wußte. Manchmal wundert man sich nur: Auf dem Acker nur Ärger, im Topf nur Ärger, im Garten nur Ärger – und das Zeug wird gekauft! Mal ehrlich, etwas Eigenliebe als Rosengärtner/-in ist doch nicht verkehrt. Etwas Kakaofarbe hier oder derart dicht gefüllte Blüten dort, dass einem die Lust auf das Zupf-Spiel Sie liebt mich (…) Sie liebt mich nicht (…) von vornherein vergeht: Wo immer die Liebe auch hinfällt, der Blick eines faulen Gärtners ist mir leitend geworden.

Vielleicht bin ich älter geworden, mittlerweile mag ich es halt bequem:

pflanzen, (organisch) düngen, wachsen lassen. Sonst nix. Es sind mir die liebsten Sorten.

Vermehrung auf Hochstamm Vermehrung auf Hochstamm
Mitunter finden sich dort Sorten im Verkauf, die selbst als angehäufelte Fussrose nicht über den Winter kommen.
Verstehen Sie das?


Es ist schon ein Luxus für eine kommerzielle Rosenschule gewesen, Sorten auszuwählen, wenn sie einem selbst gut gefallen und geeignet erscheinen für den hiesigen Raum. So aber funktioniert das Rosengeschäft nicht! Ins Geschäfts-Sortiment gelangen auch solche Sorten, die man nie und nimmer selbst aufpflanzen würde und die definitiv hier nicht wachsen.
Als Rosengeschäft, das verkaufen und bestehen will, muss man alles anbieten, was nachgefragt wird. Ohne »Neuheiten«, die durch die Werbung kreisen, ist das Rosengeschäft, will man davon leben, kaum zu betreiben; und diese Neuheiten sind mitunter ihren Taufnamen nicht wert. Nachgefragt und gekauft werden sie auf diesem gigantischen Markt trotzdem.

Kundenempfehlungen machten mich stets besonders neugierig. Diese Empfehlungen waren und sind sehr unterschiedlich begründet. Es ist und bleibt spannend zu erfahren, wie unterschiedlich der Blick auf Rosen sein kann.

Die Auswahl der Sorten heute ist eine Mischung: mein persönlicher Geschmack, der historische Stellenwert von Sorten, schließlich alle Empfehlungen aus der Praxis der Rosenfreunde und befreundeten Baumschulen sowie Rosen weniger namhafter Züchter (mitunter »Hobbyzüchter« genannt), es sind Rosen, die nicht selten deutlich besser sind als die Rosen unter Lizenz aus sogenannten »großen Züchter-Häusern«.

Das wichtigste Kriterium aber an mir unbekannten Sorten: Wachsen die Dinger hier im Klima Schleswig-Holsteins? Ein wahrhaft einfaches Kriterium, auch wenn es für den Produktionsbetrieb im Rosenverkauf nichts taugt.

Die Wiederverkäufer wollen »Aktuelles« – und die Kunden erstaunlicherweise auch! Wie der Markt es schafft, Jahr für Jahr unbekannte Sorten in die Gärten zu bringen, werde ich wohl nie richtig verstehen.

Als Rosengärtner gedacht: Rosen, die hier wachsen, machen Spaß! Als Rosenverkäufer gedacht: Ebenso! Im letzten Fall aber redet man sich allerdings den Mund fusselig.

Also vermehrt man als Rosenverkäufer, was der Markt hergibt … die Züchter ausspucken … was »Trend« ist … und derlei – und Sie kaufen das alles auch noch! Es wird alles gekauft! Versteh ich nicht! Manchmal echt witzig!

Genügsame Arten und Sorten für den hiesigen Raum vermehren, anbieten und verkaufen: Was für ein Luxus für ein Rosengeschäft! Rosen, die hier im Norden sein wollen. Auch wenn ich mich wiederhole: Die schönsten Rückmeldungen von meinen Kunden der letzten Jahre habe ich über diese Sorten. Das macht insgesamt viel Spaß! Der Rest war (und ist) leidiges Geschäft – zum Beispiel der Ärger, als ob stets die Rosenschule schuld sei für die Auswahl des Kunden und einer missglückten Kultur der Rose.

Ich muss bei Ihnen nichts kaufen …

Die Mängel von Sorten höflich zu formulieren, um sie überhaupt verkaufen zu können, ist leider eher und weiterhin die Praxis. Mitunter sogar vom Kunden gewünscht! Neu auf dem Markt oder in Mode: »Die will ich haben«, auch wenn es heißt, Die Sorte braucht einen guten Standort oder dergleichen. Ach was! Oft taugt die ganze Sorte einfach nichts! Gekauft wird diese »exklusive Neuheit« trotzdem.
Klartext reden kann man auch beim Adel. Sogar im Rosenverkauf. Auch dann, wenn es nicht immer etwas nützt.

Die Königin ist zickig (…), macht Mumien (…), wird krank (…), Strauchform erbärmlich (…) die taugt hier einfach nichts.

Sie müssen wissen, ob Sie diese Dame im Garten haben wollen.

Nur spritzen Sie wegen dieser Sorte doch nicht im Garten! Weder Stärkungsmittel, noch Hormone, geschweige denn diese »vorbeugende Chemie« namens Pflanzenschutz. Was soll das!

Ich muss bei Ihnen nichts kaufen, Herr Peters

Süffisant von einer Kundin bemerkt – und es stimmt.

Gar nicht leicht, so ein Verkaufsgespräch …

Aber wenn Sie in einem solchen Garten mal waren und sehen, wie die Rosenblätter »Rosenpilzfrei M« oder das alte »Baymat« ausschwitzen oder tropfnass von »Siapthon« herum glänzen, als hätte man es gewachst, dann vergeht Ihnen der Spaß an der Sache!

Und ich weiss dann genau, dass diese blöde Neuheit genau diese Praktiken einfordern wird … da hilft am Ende auch kein »ADR-Rosen-Gerede«. Die Züchter sind in der Pflicht, taugliche Rosen in die Gärten zu bringen, die Rosenschulen sind in der Pflicht, solche Rosen auszusuchen und informativ zu verkaufen.
Die Kunden sind in der Pflicht, sich kundig zu machen!

Stattdessen wird mit allem Geld verdient. Und dies geht auch wunderbar mit dem Jahr für Jahr wachsenden Markt rund um »Stärkungsmittel, Pflanzenschutz, Aktivatoren und Hormonpräparaten«.

Die Rose ist mittlerweile im Ruf, die anfälligste Pflanzenart im Hausgarten zu sein!

Da werde ich halt mitunter unfreundlich …

Klartext und Geschäftssinn

Sie aber müssen das, was im obigen Verkaufszitat anklingt, tatsächlich bei jeder Rose entscheiden. Das können Sie aber nur, wenn Sie Informationen bekommen – ob Sie wollen oder nicht. Denn meine Aufgabe als Verkäufer ist es doch, Ihnen diese Informationen über das Produkt namens Rose zu bieten.
Und aus dieser Sicht eines Rosenverkäufers und Gärtners werfe ich Ihnen einfach einmal den Ball zu: Vermehren und pflegen Sie doch einmal ständig über 2–3 Jahre solche Rosen, die im »Verbrauchertest« eher mit mangelhaft abschneiden würden, fotografieren Sie diese Dinger dann schön, ziehen sie diese Dinger im Topf hoch (in denen ALLES wächst!) und verkaufen Sie das einmal einem unsicheren Kunden, der Sie vertrauensvoll aufsucht, um seinen Garten mit Rosen zu bestücken! Machen Sie mal!

Die Sorglosigkeit, vorbeugende Spritz-Intervalle zu den Sorten zu empfehlen und mit auf den Weg zu geben, ist gewiss nicht im Sinne irgendeiner Rosenkultur; es ist ein Handeln, das kaum gut mit diesem Begriff »Kultur« zusammengeht. Eine kleine Ampulle an den Verkaufstopf mit Breitband- oder Stärkungsmittel für die Saison? Gar nicht weit hergeholt. Auf manchem Event finden sich Schulen, die neben Rosen gleich das richtige Präparat feil bieten. Herbizide, Insektizide, Stärkungsmittel, Hormone für ein besseres Einwurzeln.

Ich darf – verzeihen Sie – noch etwas weiter schimpfen: Rosenverkauf mit Wundertüten. Man bekommt es auch nicht anders vermittelt: Regeneration aus eigener Kraft … bleibender Befall möglich … spritzen Sie lieber vorbeugend. Was für ein versammelter Unsinn! So kaufen, pflanzen und pflegen wir natürlich auch unsere Obstgehölze, Stauden und Gräser, unsere Gemüsen, die Pflanzentomaten und Kräuter, die Rasenflächen sowie alle Sommerblumen?

Nein, so gärtnern wir in der Regel nicht – nur die Rosenkultur will offenbar allerlei »Helferlein«, nur damit jede (lizenzierte) Sorte überall ihren Platz finden kann.

Auf diese Art von Geschäftssinn hatte ich noch nie Lust! Auch nicht, als ich musste. Weder in der Zeit der Rosenschule, geschweige denn jetzt, in meinem eigenen Garten. In dem kommen einfach keine Rosen mehr rein mit einer »hiesigen Verfallszeit« von 2 Jahren – auch wenn der Rosenmarkt von solchen Sorten prima zu leben scheint. Und seien diese Rosen im Hochglanz-Prospekt der Werbung auch noch so verführerisch präsentiert: Verirren sich diese Dinger in mein Sichtungsbeet, schmeiße ich sie einfach wieder raus. Wer diese Rosen dennoch haben will, kaufe sie halt aus meinem Sichtungsbeet (mit entsprechenden Kommentaren meinerseits) oder woanders: Was für ein wunderbarer, gärtnerisch gesehen glücklich machender Luxus, den mir mein eigener Rosengarten nun schenkt!

Leben aber kann man von dieser Verkaufspraktik nicht! Dies gilt auch für diverse »Sammlungen« – fragen Sie diesbezüglich mal bei Frau Schade oder bei Frau Langenfeld an.
Für praktizierte Rosenkultur gibt es derzeit keinen ausreichenden Markt. Punkt. Da können mir die Herren und Damen aus der Theorie erzählen, was sie wollen.

Der Verkauf von Rosen ist mitunter ein blödes, ja ein kaum ethisch zu deklarierendes Geschäft.

Wenn die »Madame« hier nicht wächst, soll sie woanders sein

Eigentlich ganz einfach.

Es ist nicht und war streng gesehen auch nie mein Job, alles das anzubieten, was der Markt hergibt und was Sie möglicherweise wollen. Wenn ich darüber zu hart urteile: Für eine Korrektur einzelner Sorten bin ich immer zu haben. Hinsichtlich aber diverser Verkaufspraktiken und Strategien in der Rosenkultur: Sie werden keine Argumente haben, um diese »Philosophien« für mich überzeugend zu machen. »Vorbeugender Pflanzenschutz« etwa in der Rosenkultur ist ein Beelzebub, der den Teufel vertreiben soll.

Viel sinnvoller ist es, »vorbeugend« Tacheles zu reden, auch und zumal über die Rosen, über deren Kultur sowie im Rosenverkauf. Ich wiederhole: Die Sorte taugt hier nichts, hat aber einen tollen Duft. Wenn Sie Ärger und diesen Duft wollen, dann versuchen Sie es mit dieser Rose. Wir allerdings entfernen diese Sorte aus unserem Sortiment. Wir schmeissen sie aus unserm Garten raus. Denn letztendlich ist diese Sorte nur eines der misslungenen Produkte eines Marktes – wie ein kratziges Taschentuch, ein braun färbendes Waschmittel oder ein Möbel im geschmacklosen Retro-Design. Wert, erhalten zu werden, ist dieses Produkt möglicherweise – irgendwo in der Welt (am besten beim Züchter selbst). Wir aber machen das bei dieser Rose halt nicht: wir pflanzen sie nicht. Versuchen Sie es bitte woanders …

Meine Empfehlung:

Seien Sie konsequent gegenüber zickigen Rosen-Adel, üben Sie sozusagen den bürgerlichen Aufstand, denken Sie auch die Rose im Zusammenhang von Gartenkultur und Ökologie – es täte Ihnen, Ihrem Garten und sicher auch der Kultur dieser Pflanze gut.

Es ist die grundlegende Lehre, dass Rosenkultur und Rosenmarkt nicht dasselbe benennt – und einfach beide so nicht zusammenkommen, wie es gelehrt wird.

Auch in der eher unpersönlich gewordenen (OnlineShop-) Vermarktung heute ist ein guter Ruf natürlich wichtig; und für diesen guten Ruf sei dem international agierenden »Onlineshop« einmal empfohlen, von selbst etwas deutlicher über die Eigenschaften von Sorten zu werden. Denn schlechter kann der Ruf ja nun wirklich nicht mehr werden, wenn man von (Rat suchenden) Kunden etwa in Foren über die Züchter und die Rosenschulen des Marktes zu lesen bekommt Die wollen ja nur verkaufen …. Mindestens dieses »nur (verkaufen)« würde mich aufhorchen lassen, dass irgendetwas im Rosenverkauf nicht stimmt.

Stattdessen – und Jahr für Jahr aufs Neue – schwadronieren Züchter und »Shops« unbeirrt in endlosen Schleifen über die »Schönheit, Exklusivität und Besonderheiten« ihrer Sorten.

Dazu fällt mir nur noch Das Management des Banalen ein.

Eine Lektüre dieses modern gewordenen Banalen des »Managements« kann durchaus lehrreich sein …

Schimpfe an den Liebhaber

Ich will es noch deutlicher sagen: Auch Ihnen gegenüber als Rosenfreund/-in ist eine gewisse Konsequenz nötig. Wenn Sie eine Rose nur kultiviert bekommen, indem Sie vorbeugende Maßnahmen mit der Rückenspritze anwenden, sind Sie einer von bummelig 30 Millionen deutschen Rosengärtner/-innen. Falls nur jeder Vierte so vorgeht, haben wir 7.500.000 Spritz-Intervalle alle 14 Tage bis 3 Wochen in bundesdeutschen Rosengärten. Die Rosenschulen noch gar nicht eingerechnet.

Wer mir erzählen will, dies gehöre so, macht es sich zu bequem für sein kleines Rosenglück beim Rosenkauf und im Garten. Es gehört sich nicht so! Und ich werde einen Teufel tun, solche Rosen mit hohem Infektionsgrad permanent in meine Vermehrungsflächen zu holen, nur um diesen Markt im Verkauf abschöpfen zu können.

Frei erinnert:

Bitte? Aber ja, Sie sehen es richtig, diese Rose ist entzückend … ich empfehle Ihnen dazu folgendes Präparat … mit Stickstoff, das macht das Laub schön grün und glänzend … und hält die Rose gesund!

Altstandort? Problem? Ach was, machen Sie dieses Mittel rein, Rose rein, gießen, wächst!

Mehltau? Jedes Jahr? Ach Gott! Schlimm! Aber warten Sie … dieses Mittel vor Austrieb, dann alle 14 Tage, Sie werden staunen …

Sagen wir es so: Das ist kein Gärtnern mit Rosen, das ist Kochen mit verbundenen Augen vor einem unsortierten Gewürzregal.

Was die Rosen in meinem Garten brauchen: einen gepflegten Boden, Licht, Wasser. Die Harke, die Rosen- oder Heckenschere ab und an.

Die unausgesprochenen Erfahrungen der Züchter und Rosenschulen indessen scheinen zu lehren, Rosen benötigen Breitband-Mittel, »Rosen-Dünger«, Wurzelhormone und Blattglanz-Spray.

Braucht kein Mensch!

An einem wohlig warmen Tag

… die Blüte einer geliebten Königin im Sommerhut oder ins Knopfloch gesteckt, beschwingt durch den Garten wandelnd, man darf nach einem gewissen Toleranz-Pegel deutlich werden: Du mistiges Ding! Jedes Jahr dasselbe! Du kommst jetzt in die Tonne! Allerdings nach strenger Prüfung, ob denn diese »Königin« selbst die Ursache des Ärgers sei – nicht etwa der Gärtner oder die Gärtnerin …

Wer es mir übel nimmt, Rosen auf dem Kompost zu sehen: Wir Rosenschulen können mitunter nicht anders … Überschüsse kommen Jahr für Jahr tonnenweise in den Schredder oder werden aufgebrannt. Hält den Preis stabil. Ob es Ihnen schmeckt oder nicht. Und Sie können besagte Rosen ja durchaus »bewahren«, verschenken und mit angemessenen Tipps in einem anderen Garten wissen … Nur spritzen Sie bitte nicht, wie die Rosenschule vor Ihnen, für diese Schönheit irgendein Zeugs, nur damit diese Sorten erstens über die Ladentheke und zweitens in Ihrem Garten landen können – anstatt gleich auf dem Kompost der Züchter und der Rosenschulen. Diese ganzen Umwege lohnen der Rosenkultur willen nicht.

Freilich gewinne ich mitunter den Eindruck, je mehr und deutlicher ich die Mängel von Sorten und die Folgen deren Kultur aufführe, desto größer die Skepsis des Kunden mir gegenüber. Macht nichts. Lesen Sie, denken Sie – und kaufen Sie meinetwegen dann woanders.[*]

[*] Es scheint so, dass so mancher Kunde aus Protest die Tendenz hat, gleich zwei der fraglichen Sorte zu erwerben …
Ich werde das beizeiten – ganz kollegial – noch einmal geschäftstüchtig genauer eruieren …

Eine »Gräfin« schlicht aussortieren? Darf man das?

Aber ja, man darf! Das geht sogar mit »Königinnen«: ‘Astrid Gräfin von Hardenberg’ ist eine solche Königin. Ich sichte sichtete jedes Jahr die Felder von Tantau. Die sitzen in Uetersen, Rosenhochburg und pures Schleswig-Holstein. Diese Rose habe ich erst gar nicht vermehrt, Duft und Farbe hin und her. Verführerisch, ja, aber auf den hiesigen Feldern krank, auch in Sangerhausen krank, ohne Rückenspritze im Topf erbärmlich krank. Blüte mangelhaft bei Regen. Selbst der Züchter sagt es Wir empfehlen die Sorte für gute Rosenstandorte (volle Sonne). Deutlicher will man nicht werden. Aber immerhin. Es obliegt Ihnen, dergleichen angemessen zu deuten.

Auf diese marktüblichen Asterix-Krankheits-Werte diverser Verkaufshäuser mag ich allerdings überhaupt nicht mehr eingehen (ein * von drei für Sternrußtau heißt: Ich krieg’s bestimmt …). Drei von drei (oder beliebig vielen hauseigenen Sternchen): Ich bin gesund (oder resistent).

Beliebige Sternchen für die Illusion von »Gesundheit«!

Wer meint, mit raschen Blick auf diese Sternchen noch irgendeine Information zu bekommen, ist selbst schuld.

Bei HelpMeFind steht zur Gräfin Disease susceptibility: very disease resistant. HelpMeFind? Pah! Bleiben Sie auch bei diesem Portal kritisch. Wo auch immer diese exemplarische »Gräfin« auch wächst, hier stimmt die Angabe bei HMF selbst laut Züchter so offenbar nicht!

Da hilft es eben nicht, wenn unter Auszeichnungen bei Tantau zu lesen ist: Stärkste Duftrose Neuseeland 2010 Gold-Medaille Beste Duftsorte 2002 Concorso Internationale Rom [sic!].
Zitieren wir lieber erneut den Rest des Züchters:

Guter Standort empfohlen (volle Sonne)

Ja, ja, und derlei gibt’s sogar, so hab’ ich gehört, auch irgendwo in den Tiefen Dithmarschens an der Westküste!

Die Rose taugt schlicht nichts, hier wenigstens nicht in den Gefilden des Züchters selbst. Warum also soll ich diese Rose, kaum 100 km vom Beet der Firma Tantau entfernt, in meinen Garten setzen?

Kaufen Sie aus selber Quelle ‘Johann Wolfgang von Goethe’, wenngleich aus einer anderen Rosenklasse, oder fragen Sie nach der neuen ‘Soul’ von 2014 …. Rosen der selben Farbgruppe, wunderbarer Duft in Note und Intensität, gefälliger Wuchs. ‘Johann W. v. Goethe’ ist definitiv regenfest, bei der ‘Soul’ wäre es noch weiter zu prüfen! Beide zuletzt genannten gedeihen in der Vermehrung ohne vermeintlich obligatorische Spritze. Dies dürfte auch im Garten gelingen. Die Dame von Hardenberg indessen pflanze doch kein Mensch mehr, der halbwegs seinen Spaß an Rosen bewahren will.

Klima sortiert hiesig und zügig aus

Wenn eine Rose für das hiesige Klima weniger geeignet ist, z.B. weil sie frostempfindlich ist oder Mumien macht, deren Kultur aber aus anderen Gesichtspunkten lohnt, vermehre ich sie durchaus und verkaufe sie. Nur bin ich aufrichtig müde, einem Verkaufszweck zu folgen, der mir da zuflüstert: »Preise die Vorteile an und beschönige die Nachteile, insofern Du sie überhaupt zur Sprache bringst!« Braucht einen guten Rosenstandort – Pah! Den brauchen wir alle …

Ob Sie mir das nun hier abkaufen oder nicht: Ich mache diese Art des Verkaufs von Rosen nicht mit.

Auf dem Rosenmarkt aber kommen Sie gar nicht drumherum, »marktkompatiblen Nonsens« feil zu bieten. Sie, als Kunden, tragen dazu ordentlich bei; nicht nur die bösen Rosenverkäufer und Rosenzüchter.

Mit ein Grund, warum ich meine Rosenschule mit einem Rosengarten tauschte. Die Qualität einer Rose ist halt etwas anderes als deren Eigenschaften. Und Sie müssen beurteilen können, was Sie pflanzen wollen und was nicht. Genauso wie ich es für die Vermehrung und den Verkauf entscheiden muss. Es ist immer einer Überlegung wert, ob es Sinn macht, eine anfällige Sorte zu pflanzen und Rosen auf ungeeignetem Terrain … und welche Informationen man benötigt, damit dies nicht passiert.[*]

[*] Siehe dazu ausführlicher Wurzelnackt – und die lieben Eigenschaften der Sorten.

Der Rosenkultur und dem Rosenmarkt würde es gut tun, könnten die Stimmen lauter werden, die über Rosen und deren Kultur wahrhaft und konsequent Klartext reden; im Verkauf, in der Literatur, im Internet …

Obgleich meine Leidenschaft und Liebe zu dieser Pflanze über die Jahre eher zunimmt: das marktkompatible Gerede aber über diese Kulturpflanze mag ich einfach nicht mehr hören oder lesen! Deswegen schreibe ich auch so viel und so viel Redundantes.

Vom entzückten Dauer-Schwelgen im Verkaufsportal bis in die Foren hinein, allerorts findet sich dieses verklärende Schönreden der Sorten. Dies macht einfach müde und die Ohren taub. Ein Dauer-Schwelgen von allen Seiten, von den Züchter angefangen über den Verkauf und schließlich in die Gärten hinein. Man darf und sollte in den verschiedenen Plattformen auch deutliche Kritik laut werden lassen. Auch wenn sie überdeutlich erscheint, einen selbst trifft und schmerzt.

Diese Kritik darf auch über die Vermarktungsformen der Rose oder über die Gartenpraxis hinaus gehen.

Sie muss in unseren Köpfen Themen aufgreifen dürfen, die bei Rosengärtner/-innen beim Kauf einer Rose nicht unbedingt vorrangig präsent sind. Ein Zitat des Bundesministerium für Naturschutz verweist auf verschiedene Aspekte, die auch für die Rosenkultur gelten. Gentechnologie im Zierpflanzenanbau sei als weiteres Thema hinzugefügt, das in der Rosenkultur präsenter werden muss; der Link springt zu einem Absatz mit einigen kommentierten externen Verweisen zur Gentechnologie im Zierpflanzenanbau.
Unsere Sprache über Rosen ist ein weiteres Thema, das auf meinen Seiten immer wieder aufgegriffen wird: Verstehen wir unsere eigene Sprache nicht, können wir auch nicht vernunftgeleitet entscheiden und handeln.
Nicht nur die »Ordnung der Rose« ist diesbezüglich reformbedürftig.


Meine Favoriten in der Rosenwelt

Und – was zum Ende dieser langen Ausführung – die sogenannten Rosengruppen oder einzelne Züchter betrifft: Ich favorisiere weder in die eine noch in die andere Richtung. Die gesündesten Rosen der Welt (Kordes) gibt es weder als Klasse noch als Ergebnis eines Züchters zu haben. Dass aber der Mit-Initiator der Allgemeinen Deutschen Rosenneuheitenprüfung (ADR) sich auf die Firmenfahne das Thema Gesundheit schreibt, es gleichsam für sich selbst verbindlich macht und immer wieder erneut in den Blick der Rosengärtner/-innen rückt, sei doch erwähnenswert.

Die Gesundheit der Sorten und eine Zucht, die sich an den Standort der Rosen orientiert, finden wir als Ziele fortlaufend in der Geschichte der Rose. Erinnert sei an dieser Stelle an Rudolf Geschwind oder an den Rosenkenner Gillemot. Wer sich die Mühe macht, den verlinkten Beitrag aufmerksam zu lesen, wird erkennen, dass es der Rose in ihrer Geschichte mit uns nicht immer gut erging – und wir eine Kultur mit dieser Pflanze prägten, die kritikbedürftig sei.

Wir finden in der neuzeitlichen Zucht und im Vertrieb der Rose einige Vertreter, die Eigeninteressen vor der Kultur dieser Pflanze zu stellen scheinen.

Dieses Bemühen, den eigenen Anteil am Markt so groß wie möglich abzustecken, findet sich allüberall. An diesem Bemühen ist grundsätzlich auch mal nichts verwerflich.

»Internet-Konzerne« aber sind zum Beispiel (richtigerweise) im Visier für eine Kritik, die besagt, dass es auch Grenzen für dieses legitime menschliche Streben gibt, scheinbar ohne Grenzen wachsen zu wollen. Nennen wir hier einmal Microsoft, Google, Facebook, Amazon.

Dieses Streben zeigt sich exemplarisch auch in der Vertriebspolitik der Rose eines heute international agierenden Marktes, der zwar regional züchtet, seine Sorten jedoch weltweit anbietet und vertreibt, obgleich die Sorten oftmals schon für die eigenen, den hiesigen Räumen vollkommen ungeeignet sind; ein Beispiel bietet die Edelrosen-Schwemme aus (Süd-) Frankreich und Italien (etwa durch Nirp International) in die Gärten weltweit, somit auch in die norddeutschen Gärten, wo diese Sorten mitunter eine »Standzeit« unter zwei Jahren haben. Aus dieser Erfahrung – liebe Manager von Nirp® und Co. – helfen und retten auch die weltweit verteilten Schauhäuser / Show Cases nicht und das Anwerben regionaler Vertreter für den Verkauf dieser lizenzierten Ware …

Mitunter erscheint auch der neuzeitliche Rosenmarkt in den Händen weniger Konzerne, Konzerne, die mit Marktmacht und Einfluss bestimmen wollen, wohin die Reise der Rose zu gehen habe …

Hier ist der Käufer oder Verbraucher nicht unschuldig, sowenig, wie es der unbedarfte Nutzer von Facebook ist oder das gewohnheitsgemäße, jedoch bald naiv zu benennende »googeln« (für »suchen« oder gar »recherchieren«). Diese markt-amerikanische Sprachschöpfung schaffte es schon 2004, einen Einzug in den deutschen Duden feiern zu dürfen. Der deutsche Markenname »Tempo«, obgleich auch in aller Munde (respektive an vielen Nasen), hat diesen offiziellen Einzug in den deutschen Sprachschatz bis heute nicht geschafft …

Hier ist mehr Hirnschmalz und mehr Verantwortung bei der Kultur dieser Pflanze von allen Seiten zu fordern, von der Zucht, über den Vertrieb – sowohl von kleinen Rosenschulen als auch von international agierenden Konzernen – bis in die Gärten der Rosenliebhaber-/innen hinein.

Nicht alles, was auf dem Markt ist, muss man auf die eigene Verkaufstheken stellen.

Über das gängige und allzu dominante Vokabular des Marktes lässt sich für mich ohnehin kein »Favorit« benennen; wir pflanzen halt keine Werbung oder »Hausnamen« in unsern Garten, sondern am Ende ein Gehölz.

Die Firma Austin sei mit ihrer Präsenz auf dem Markt und mit ihrem bücherfüllenden Gerede über die hauseigene Zucht als weiteres Beispiel benannt, dass große, erfolgreiche Firmen nicht zwingend einen guten Einfluss auf unsere Kultur nehmen.
Austin ist das Paradebeispiel für die Verwechselung von wirtschaftlichem Erfolg mit Kultur, indem seine Produktwerbung den Platz eines sachlichen Beitrages zugesprochen bekommt.

So ist das literarische Schaffen dieses Mannes eher in die Rubrik hochpreisiger Verkaufskataloge zu ordnen und entsprechend zu lesen: kaum geeignet, um auch nur einen Einstieg in die Geschichte der Kultur dieser Pflanze zu finden.

»Englische Rose®« ist ein Markenname, mehr nicht – auch wenn die eigenbrötlerischen Briten dies seit geraumer Zeit anders sehen wollen. In deren Klassifikation »English« als offizieller Ordnungsname doch nun tatsächlich auftaucht.
Erfreulich, dass der Rest der Welt hier (mehr oder weniger) nachdenkt und nicht mitgeht …

Die Rosen von Austin benennen noch nicht einmal eine zu favorisierende Richtung der Rosenzucht – sondern nur eine mögliche Richtung aus einem persönlichen Geschmack. Und dieser Geschmack fand halt seine Zeit – und war (und ist) unverhältnismäßig erfolgreich.

Wird schon wieder besser werden, so meine Hoffnung …

Ich mache ja kein Hehl daraus, dass mir dieser Austin-Blick auf Rosen viel zu reduziert, ja ärmlich ist. Es käme mir nie in den Sinn, einen solchen Konzern zu meinen “Favoriten” zu machen.

Von den weit über tausend Sorten dieses Züchters blieben nach 20 Jahren nicht viele für den norddeutschen Raum. Die Euphorie über diesen Markt »Englische Rosen« hat sich bei Rosengärtner/-innen schon genauso ordentlich gelegt, wie es für die Vielzahl der Rosen von Nirp® International zu beobachten ist, folge ich einmal der Resonanz meiner Kunden und die verhalten gewordene Werbung von Rosenschulen mit diesen “Englischen®, Französischen®” und derlei. Allein schon die Sortenanzahl der Nirp®-Dinger ist bei den ziemlich stolz wirkenden offiziellen Repräsentanten von Nirp International deutscher Provenienz ordentlich geschrumpft. Von zwei Dutzend Sorten auf drei-vier Neuheiten® unter strenger, kaufmännischer Beobachtung …

Da mag der marktkritische Kunde resigniert-lakonisch anmerken, so viel er will: Die wollen ja (nur) verkaufen …

Ach was![*]

[*] Die neueste seit 2017 kursierende ‘Roberto Alagna’® in orange oder diese unsäglich ungewöhnliche [Schultheis] ‘Amour de Molene’® aus 2015 – mit sage und schreibe über einhundert Blütenblätter [Schultheis] – schafften es doch wieder, diese majestätische Blüten [Schultheis] zu präsentieren, welche an Alten Rosen zu erinnern scheinen [ebenfalls Schultheis].
Solche »Repräsentanten« unter Nirp® werden dann auch nicht müde, solche Röslein aus 2003 namens ‘Jean Piat’® bis in unsere Tage zu bewerben – und zwar recht ordentlich: Die neue “Gloria Dei” ist da! [sic! Schultheis, Sortenseite].
Na, da haben wir ja wieder ein weiteres »Märchen des Marktes« – wie schön! Alles »Neu«®! Und: nun kauft mal schön …

Es macht sich mittlerweile schon etwas lächerlich, dieses penetrante bewerben von solchen Ostereier-Rosen in verkaufsfördernder Bezugnahme zu einer der größten Rosengruppen der Welt: »Alte Rosen«.

Orange Ostereier mit hundert Petalen erinnern »alt«.

Wer glaubt noch, dass solch ein Vokabular und aus solch einer Schwärmerei noch irgendetwas Sachhaltiges benannt werde?
Die wollen nur verkaufen … Ja, ja …

Diese zurückrudernde “Begeisterung” irgendeines Geschmacks hätte ich mir mehrmals in der Geschichte der Rose und deutlicher, wirksamer gewünscht.

Angefangen bei ‘La France’.

Die Vertreter einer great army of Hybrid Tea[*] rund um dieses Röslein von Guillot fils sind bis in diese Tage ungebremst unterwegs.

[*] The Pracitical Book of Outdoor Rose Growing for the Home Garden, Second Edition, April 1915, S. 34.

So gelte dies auch für diese heutigen Sortimente des neuzeitlichen Marktes rund um »Romantik und Nostalgie«: eine ziemlich maßlose Produktschwemme mit noch geschmackloserem Vokabular aus einem Zeitgeist heraus für einen wenig informierten Zeitgeist bestimmt. Befördert durch ein mächtiges Marketing, dass den Gärtnern/-innen im Katalog die Welt erklärt und erklären will …

Derlei Sprachen wie »Märchen-, Romantik-, Nostalgie-Rosen« des Marktes taugen für ein Verständnis der Kultur dieser Pflanze nicht viel, genauer gesagt: gar nichts. »Englisch« ist nur der Vorreiter dieser Verkaufsmasche – entsprechend findet sich in dieser Sprache für mich auch kein »Favorit« und – obgleich es dem Verkauf gewiss förderlich sein könnte – auch keine Rubriken in meiner hauseigenen Ordnung der Rosen-Vielfalt.

Geschweige denn in der Übernahme dieser neuzeitlichen “Begeisterung”, die sich selbstverliebt spiegelt in der wahrlich eitel und wertend geratenen Ordnung namens Alte und Moderne Rosen. Also, derlei ist nun wirklich nicht zu gebrauchen!

Da definiert ein Zeitgeschmack mal eben an 2500 Jahren Rosengeschichte herum. Und der Markt quasselt seit anderthalb Generationen das Seinige dazu. Ich könnte wetten, die nächste Generation wird nur noch mit den Kopf schütteln und diese ganze Hybris rückgängig machen wollen.

Hoffentlich obsiegt dann da mal nicht doch die Vertreterschaft der noch dümmlicher geratenen Vokabel postmoderner Rosen. Ein Begriff, der von mir einst eher als (»konsequente«) Möglichkeit einer neuen Ordnung spöttisch beschrieben wurde, jedoch als solcher Begriff nun doch tatsächlich schon auf dem Markt zu finden ist.

Postmoderne Rosen – dies schreit sich wie aus dem Munde nimmersatter Befürworter transgener Pflanzen … egal ob aus dem Lebensmittel- oder dem Zierpflanzen-Sektor.

Da werde ich ganz neugierig, wie diese »Rosen- und Kulturretter« mit diesen Produkten (“Königinnen”?) wohl umgehen … Genbank Rose für postmoderne Geschmacklosigkeiten … aufgepflanzt im ERS neben den (»guten, alten«) ADR-Rosen … produziert und weltweit vertrieben von Konzernen (denn diesen Unsinn kann kein Hobbyzüchter und kein Familienbetrieb mehr leisten) … vertrieben von Frau und Herr Nimmersatt-Im-Wiederverkauf … gepflanzt und geliebt von Frau Unbedarft und Herr Kleingeist … in allen Gärten weltweit.

Gruselig.

Die Offenheit der Kultur und die Vielfalt der Rose

Die Offenheit für Rosen und Rosenhäuser aus aller Herren Länder leitete immer schon meinen Weg – es hat sich über all die Jahre der Erfahrung mit Rosen, Rosenzucht und Vermarktung nur eine Liebschaft herausgebildet: die Wildrosen und deren Hybride.

Dass Sie mich bitte richtig verstehen: Eine Vielzahl von Rosen aus der neuzeitlichen Zucht gehören zu meinen Lieblingsrosen. Dennoch:

Ich liebe diese Einfachheit bei der Rose, das Stachelige, das derbe Laub, üppige Sträucher und fette Hagebutten, die an Obst erinnern.

Früchte in der Größe und Form von Wildbirnen; Hagebutten, die an Stachelbeere oder an Heide- oder Johannisbeere erinnern. Ich liebe Sträucher, buschige, große, überhängende, frei wachsende – meinetwegen auch wüst wachsende Sträucher. Aber Sträucher sollten es sein. Rosen, die einfach wachsen, blühen, fruchten, hier in meinem Garten. Und die Getier anziehen – in einem guten Sinn: Marienkäfer, Florfliegen, Bienen, Hummeln und Schwebfliegen, Vögel aller Art. Und hierfür braucht es der braunen und grünen Blattlaus …
Ich mag Rosen, die in irgendeiner Hinsicht nützlich sind …

Blühgehölze, Fruchtgehölze, Nutz- und Schutzgehölze, Formgehölze. Rosen sind vielfältig. Diesen Blick auf Rosen will ich mir nicht nur bewahren, ihn vielmehr weiter schulen und ausbauen. In diesen Blick passt kein »Favorit« aus der historischen und/oder neuzeitlichen Vermarktung hinein – und spiegelt sich besser und am glücklichsten für mich halt in jene Ordnung, die als »Naturrosen und deren Abkömmlinge« umbenannt werden könnte – und vielleicht unbenannt werden sollte.

Ich mag den Kontext der Rose in der Natur, den Zusammenhang ihrer Kultur mit Landschaft.

Ich mag sie essen, ich mag es, einfach vor ihr zu stehen und an mir selbst zu entdecken, was ich da sehe, in irgendeiner Rose, die meiner ungeachtet einfach da ist und vor mir ihr Ding macht.

Soweit es das Geschäft mit ihr es erlaubt.

Heute habe ich einen Garten – und es ist wunderbar!

Da kann ich frei vom Markt einfach zeigen, was die Rose so alles ist …


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