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Moore sind nicht Torf – Gartenbau baut keine Gärten

Torf im Garten

Einleitung

Leider ist meine Aussage, die ich bei den Führungen durch den Rosenpark vortrage, nicht richtig, dass in Deutschland das letzte Abbaugebiet von Torf in Niedersachsen gewesen sei und der Bedarf an Torf im Erwerbsgartenbau innerhalb Deutschlands allein aus den Ostblockstaaten gedeckt würde; die hier noch abgebauten Mengen seien zu gering und kaum mehr relevant für die Bedarfsdeckung.

Dieser Abbau von Mooren indessen findet auch in Deutschland weiterhin statt, namentlich in Niedersachsen.
Importe von Torf, überwiegend aus dem Baltikum, ergänzen zusätzlich die hiesig genutzten und abgebauten Torfe.

Zwecks Korrektur und Konkretisierung meiner Aussagen und für eine besserer Einordnung rund um »Torf im Garten«, schrieb ich diesen Beitrag: Moore sind nicht Torf – Gartenbau baut keine Gärten.

07. September 2021.

Überarbeitet: 09. September 2021 – Linksetzungen, Gliederung

Überarbeitet: 13. September 2021 – Linksetzungen, Erläuterungen

Überarbeitet: 18. September 2021 – Gliederung, Erläuterungen

Woher kommt das Substrat, in denen die Pflanzen stehen, die wir als Topfware (Containerware) kaufen?

Woher kommen die Erden, die wir im Erwerbs-Gartenbau und in unseren Gärten – zum Beispiel als Blumenerden – verwenden?

Die derzeit wichtigsten Quellen für die Herstellung von Erden sind die Moore.

Klimaschutzplan 2050 – Bundesministerien

Moore in den »Kohlendioxyd-Bilanzierungen«

(…) In den Wäldern in Deutschland wurden im Jahr 2014 circa 58 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent netto gebunden. Aufgrund der Kohlenstoffspeicherung in Holzprodukten wurden etwa zwei Millionen Tonnen CO2-Äquivalent eingebunden.
Hingegen emittierten die landwirtschaftlich genutzten, entwässerten Moorböden (Acker- und Grünland) aufgrund der Zersetzung von organischer Substanz 38 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent.
Weitere Treibhausgasemissionen resultieren aus dem Torfabbau (zwei Millionen Tonnen CO2-Äquivalent) sowie aus Siedlungen auf Moorflächen (3,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent). Insgesamt wurden im Bereich der Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft netto 16,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent eingebunden.
Derzeit ist der Sektor eine Nettosenke, die mit weiteren Maßnahmen gesichert werden soll.[1]

1. Quellen: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), BMU – Klimaschutzplan 2050, PDF-Datei, S. 67. Übersicht: BMU.

Wald und Moore – und die Frage nach einer »Bilanzierung«

Quellen menschengemachter Emittierung von Treibhausgasen kann und sollte man gewiss »bilanzieren« zu denjenigen Posten, die Treibhausgase – zum Beispiel Kohlendioxyd oder Methan – binden, wie es offenbar im Vergleich »Wälder und Moore in Deutschland« getan wird.

Derartige »Bilanzierungen« benötigen wir, um Schäden und erforderliche Maßnahmen gegen diese Schäden genauer benennen zu können.
Um nutzbare, belastbare Daten für solche Bilanzierungen erheben zu können, brauchen wir die Instrumente der Wissenschaften.

Bei der Gegenüberstellung von prozentualen CO2-Äquivalente bei Wäldern und Mooren muss man allerdings genauer hinschauen, um die Relationen zu sehen.

Relationen der Flächenanteile – Wald, Moore: Emissionen

Deutschland hat rund 11 Millionen Hektar Wald, was rund 32 % der bundesdeutschen Landfläche ausmacht.

Von den rund 1,5 Millionen Hektar Moorflächen, was etwas über 4 % der Landflächen Deutschlands ausmacht, sind 90-95 % durch Nutzung zerstört: durch land-, forstwirtschaftliche Nutzung, Bebauung, Torfabbau, sonstige Trockenlegungen.[2]

2. Quellen: Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
a) Wald – NABU Wald,
b) Moor – NABU Moor

Diese genutzten / zerstörten Moorflächen emittieren – u.a. nach den Daten des BMU – verstärkt Treibhausgase.[3]

3. Siehe obiges Zitat des BMU: Rechnung / Bilanzierung CO2-Äquivalente.
Kurzfassung:

Das vom BMU genannte 16,5 Mio. t CO2-Äquivalent als »positive« Gesamtbilanz errechnet sich wie folgt – Zahlen in Mio. t CO2-Äquivalent:

Einbindung durch Wald (58) und Holzprodukten (etwa 2) = 60.

Emittierung durch Nutzung der Moore: Landwirtschaft (38), Siedlungen (3,5), Torfabbau (2) = 43,5.

Gesamtrechnung:
60 (Einbindung) - 43,5 (Emittierung) = 16,5 Mio. t CO2-Äquivalent als »positive« Bilanzierung.

Allein dieser Vergleich der Flächenanteile von Wald und Moor macht deutlich, dass die Emittierung respektive die Einbindung von Treibhausgasen sich nicht einfach »bilanzieren« lässt, um Schäden, Ursachen und Maßnahmen deutlich zu machen und zu begreifen.

Flächenmäßig ist der Anteil der Moorflächen im Vergleich zu Wald gering, die Emission von Treibhausgasen durch die Nutzung von Moorflächen indessen ist extrem hoch.

Unabhängig einer »Bilanzierung« gedacht

Die verbliebenen 5 % von intakten und ursprünglichen Moorflächen sind die Überbleibsel einer über Jahrtausende gewachsenen Landschaft. Eine Landschaft, die der Mensch in den vergangenen rund 200 Jahren durch eine zunehmende Nutzung auf diese magere Prozentzahl gedrückt hat.

Die gilt es zu schützen. Denn da bleibt nicht mehr viel Moor-Landschaft für die kommenden Generationen

Relationen Moorflächen-Nutzungen: Landwirtschaft und Siedlungsbau zu Torfabbau

Der Abbau von Torf erscheint zwar im Vergleich zur landwirtschaftlichen Nutzung und zum Siedlungsbau hinsichtlich der Treibhausgasemissionen durch diese Nutzungen von Moor-Flächen als kleinster Posten – vom BMU berechnet in Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Anderseits erzeugt der Abbau von Torf einen nicht »kurzfristig« reversibel zu machenden Eingriff in originär gewachsene Landschaften.[4]

4. Vergleiche die Umsetzbarkeit von Renaturierungsmaßnahmen bei kanalisierten Fließgewässern, e.c. Infos beim Umweltbundesamt.

Eine Herausnahme von ehemaligen Moorflächen aus der Landwirtschaft oder dem Siedlungsbau und die sofortige Renaturierung solcher Flächen stoppt nicht nur die Freisetzung von Treibhausgasen durch diese Nutzungen, sondern sorgt dafür, dass die im noch unabgebauten Torf seit Jahrtausenden eingebundenen Treibhausgase nicht (weiter) emittieren.

Dies bedeutet aber, dass solche Flächen gänzlich aus der menschlichen Nutzung herausgenommen werden müssten, wenngleich eine gewisse »Nutzung« solcher Flächen in der Relevanz für den Tourismus oder als Erholungsraum erhalten blieben.

Ökologie und Ökonomie – ein Kompromiss?

Der »Kompromiss« zwischen Ökologie und Ökonomie indessen lautet, dass der Abbau von Torf weiter erfolgen soll und – entgegen meinen alten Informationen – auch in Deutschland erfolgt, hierfür aber nunmehr allein diejenigen Flächen genehmigt werden, die aus der landwirtschaftlichen Nutzung oder dem Siedlungsbau stammen.

Nun ja, man mag kommentieren: Es sind für die Erschließung von Torfabbaugebieten auch kaum mehr intakte Moor-Flächen verfügbar.

Zu diesem »Kompromiss« gehört das Gesetz, dass die Kultursubstrat-Hersteller diese Abbaugebiete abschließend zu »renaturieren« haben.

Die Moor-Flächen aus Landwirtschaft und Siedlungsbau sollen mithin in eine Nutzungsänderung, für diese Substrat-Industrie nutzbar bleiben – man mag auch »ausbeutbar« lesen – um erst nach vollständigem Abbau (bis auf wenige Dezimeter Moorstärke) vollständig aus der menschlichen Nutzung als »renaturierte Flächen« herausgenommen zu werden.

Die Argumentation der Torfabbau-Industrie lautet, dass diese Nutzung durch Abbau »nachhaltig und langfristig« eine bessere CO2-Bilanz hervorbringe als eine weitere landwirtschaftliche Nutzung – was unbestritten richtig ist, da eine »renaturierte« Moor-Abbaufläche das Potenzial habe, wieder CO2 zu binden, die landwirtschaftlich genutzte Moorfläche indessen nicht, die emittiert.[5]

5. Siehe exemplarisch für diese Argumentation einer Nutzung der Moorflächen: Industrieverband Garten e.V. (IVG), Torf im Gartenbau.

Die begründeten Überlegungen, Moor-Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung für die Renaturierung ohne Abbau des Torfes herauszunehmen, finden kaum Gehör.
In Anbetracht der vergleichsweise geringen Flächenanteile der Moore bei gleichzeitiger hoher Emissions-Rate durch die Nutzung dieser Flächen erscheint die Argumentation einer Renaturierung dieser Flächen – ohne zwischengeschalteten Abbau des noch vorhandenen Torfes – aber doch durchaus ein sachliches Gewicht innerhalb der »Klimadebatte« zu haben.

Was dieser recht schlüssigen Argumentation von Seiten der Ökologie einer zeitnahen Renaturierung von genutzten Moorflächen entgegensteht, sind die Interessen an dem und die Abhängigkeiten von dem Rohstoff Torf von Seiten der Wirtschaft – und diese »Abhängigkeiten« zeigen sich in den verschiedenen Branchen, etwa in der Nutzung von Kohle oder in der Erschließung neuer Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung – und dies weltweit.

Substrate für Erwerbsgartenbau und Gärten

Erst seit etwa Mitte des 20 Jh. findet Torf die Verwendung in der Herstellung von Kultursubstraten – für den Erwerbsgartenbau und für unsere Gärten.

Es ist entsprechend eine recht junge Industrie.

Torf ist für diese Industrie das grundlegende und mengenmäßig wichtigste Ausgangsmaterial.

Die älteren Verwendungen von Torf vor dieser Entwicklung des Gartenbaus konzentrierten sich auf die Nutzung von Torf als Brennstoff (Schwarztorf) und Einstreu (getrockneter, zerriebener Weißtorf, etwa für Ställe).
Diese beiden Nutzungen des abgebauten Torfs aus der Historie erscheinen uns heute »unzeitgemäß«.

Der zeitgenössische Abbau und die Nutzung von Torfen in industriellen Maßstäben entstand mithin aus einer Nutzungsänderung des weiterhin abgebauten Torfes, insbesondere durch stetig steigende Nachfragen nach Torfen von Seiten des Gartenbaus.
Dies betrifft nicht nur Deutschland, sondern gilt für die gesamte EU, wo ebenfalls 70-80 % Torf als Basis für die Herstellung von Kultursubstraten genutzt wird – obgleich mir keine Zahlen vorliegen, dürfte der Verbrauch dieser Ressource in Asien oder den USA, in Südamerika oder Russland ähnlich prozentual hohe Werte zeigen.

Etwa 60 % vom Torfabbau in der EU gehen in den Erwerbsgartenbau, etwa 40 % in die »Hobby-Gärten« als irgendein Produkt, das Torf enthält; Blumenerden oder Containerware zum Beispiel. Die Nutzung für Heilerden und derlei ist eher ein marginaler Bereich.

Containerkulturen – und Alternativlosigkeiten

Im Erwerbsgartenbau sind es insbesondere die Containerkulturen (»Topfwaren« zum Beispiel in Gartencenter, Gärtnereien), bei denen Torf verwendet wird.

Torf und Containerkulturen

Torf hat für diese Containerkulturen zahlreiche Vorteile, zum Beispiel kann der pH-Wert genau justiert werden, auch die je nach Kultur erforderliche Düngermenge kann exakt bestimmt werden, die Bewässerung erfolgt bei Torf gleichmäßig und berechenbar, Torf ist im Vergleich ein Struktur haltendes, leichtes Substrat, was u.a. für die Transport-Logistik relevant ist – und so fort.

Produkte aus beiden Segmenten – Erwerbsgartenbau und »Hobby-Garten« – werden zugleich exportiert, derzeit in 86 Staaten weltweit.

Torf ist mithin von einem eher regional verwendetem Produkt aus der Historie über die zeitgenössische gartenbauliche Nutzung zu einem Produkt für den weltweiten Export geworden.

Ersatzstoffe für Torf

In der Historie erschien Torfabbau als unersetzbar für den Verdienst des Lebensunterhaltes. Der damalige Torfaufbau war schwere körperliche Arbeit, die Effizienz als Brennstoff gering und das Einkommen spärlich – und es fehlte den Menschen Alternativen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Heute erscheint der Abbau von Torf auf ähnlichen Argumenten gestützt, als dass der Erwerbsgartenbau ohne Torf nicht überlebensfähig sei – und es an Alternativen mangle.

Diverse Ersatzstoffe für Torf decken nur etwa 1/4 des Substrat-Bedarfs der Branche ab, zu diesen Stoffen zählen (abnehmend in der Relevanz aufgeführt) Kompost, Holzfaser, Rindenmaterial, Kokos.

Der vergleichsweise geringe Einsatz dieser Stoffe begründet sich u.a. durch die derzeit nicht verfügbaren Mengen, durch die z.T. geringere Eignung für den Erwerbs-Gartenbau in der derzeitigen Ausrichtung (der Produktion und der Vermarktung)[6], durch den Kostenfaktor (Anschaffungskosten und Mehraufwand bei Pflanzenkulturen im Erwerbsgartenbau) – und dem nicht unberechtigten Zweifel, ob die Verbraucher bereit sind, die Kosten zu bezahlen, die durch den Verzicht von Torf dem Erwerbsgartenbau enstehen mögen.

[6.] [Fussnote überspringen]

Containerware als Produkt des Erwerbsgartenbaus

Containerware als Produkt des Erwerbsgartenbaus ist möglicherweise aus ökologischer Sicht und aus der Sicht der Verbraucher sowie schließlich in Hinsicht der Pflanzenkulturen selbst zu kritisieren.

Der Verbrauch von Kunstoffen und ein erhöhter Bedarf an Wasser als auch ein erhöhter Einsatz von sog. Pflanzenschutzmitteln sind – neben den Substraten auf der Basis von Torf – aus ökologischer Sicht negative Faktoren.
Anschaulich gemacht in einer Tabelle von der Baumschule Rohwedder.

Einige Probleme für den Verbraucher und für die Gartenkulturen aus dieser Produktion und dem Vertrieb von Pflanzen in Containern sind ebenfalls ebenda thematisiert.

Es erscheint, dass die Vorteile von Containerwaren eher auf Seiten des Verkaufs liegen, weniger auf der Verbraucherseite. Der vermeintliche Vorteil von Containerware für den Verbraucher, als dass der Verbraucher sehe, was er kauft, ist doch recht irreführend: Containerware zeigt keine Gartenkultur.
Dass der Erwerbsgartenbau Containerwaren gern forciert und mit fraglichen Argumenten bewirbt, mag man – exemplarisch bei der Rose – bei dem unten stehenden weiterführenden Link »Containerware des Marktes« [Teil 1 und 2] nachspüren.

In Sicht auf die Pflanzenkulturen selbst sei exemplarisch die Zucht und der Vertrieb von Rosen genannt, welche das Ziel haben, dem Wiederverkauf und schließlich auch den Verbrauchern [Zitat] gute Containerqualitäten anzubieten.
Es erscheint bei solcherart Bewerbung von Containerwaren und solcherart mit Blick auf den Vertrieb geleiteten Zuchtzielen etwas aus dem Blick zu geraten, ob die beworbenen »Container-Qualitäten« denn auch für Garten, Park und Landschaft taugen.

[Ende Fussnote]

Kostenkalkulationen und Ethik

Leider werden in solcherart Kostenkalkulationen des Marktes weiterhin nicht die Umweltschäden als Faktor eingerechnet; würde man dies konsequent tun, wäre manche vermeintliche Kostensteigerung durch »alternatives Handeln« wohlmöglich gar keine Kostensteigerung.

Letztlich befördert jede Veränderung vertrauter Produktions- und Vermarktungs-Strukturen die Sorge, ob der eigene Lebensunterhalt weiter gesichert erwirtschaftet werden kann. Diese Sorge bestand freilich schon vor dem industriellen Abbau des Torfes – und begleitet den Menschen wohl für alle Zeiten in allen Bereichen seines Handelns. Doch sollte es für unser Denken und Handeln leitend bleiben, Wege zu finden, welche Ökonomie und Ökologie nicht in einem Widerstreit lassen und wir sollten nach Lebensentwürfen suchen, die unseren jetzigen Wohlstand und unsere Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen – nah betrachtet sind es die heutigen Kinder – in einen ethisch vertretbaren Ausgleich bringen.

Substrat-Hersteller, Erwerbsgartenbau, Politik und Verbraucher

Es bleibt für die Branche der Substrat-Hersteller wie für den Erwerbsgartenbau, für die Politik wie für den einzelnen Verbraucher die Aufgabe, nach Lösungen zu suchen, die den Erhalt und die Wiederherstellung von Moorflächen zeitnah fördern.

Dies betrifft die Produktion und die Vermarktung von Seiten des Erwerbsgartenbaus, der etwa im Bereich der Rose und anderen Gehölzen anstatt auf Containerware auf Wurzelware (rück-) fokussieren könnte, dies betrifft die Politik in dem Bemühen, die Genehmigungsverfahren für Zugriffe auf Moorflächen möglicherweise straffer als bisher an den »Klimaschutzzielen 2050« auszurichten, es betrifft das Kaufverhalten der Verbraucher, zum Beispiel den Vertrieb von Wurzelware durch Erwerb von Wurzelware zu fördern, regionale Anbieter von Erden wie Kompostierungsanlagen verstärkt wahrzunehmen und zu nutzen, Anbieter von torffreien Blumenerden durch Kauf – in Akzeptanz eines gut begründeten Mehrpreises – zu »belohnen«.[7]

7. Siehe dazu »Tagung „Torfminderung“«, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Februar 2020, PDF-Datei.

Gewiss wäre eine weitere erfolgversprechende Maßnahme, auch die Moore wieder mehr zu schätzen und auch als Gemeinschaft schützen zu wollen, wenn wir vermehrt das Gärtnern lehren und erlernen – als ein Handwerk, das mit den nicht herstellbaren Ressourcen »Böden« haushaltet – ganz nach dem Vorbild der in unserem Erfahrungswissen gespeicherten und zugleich durch die Wissenschaften doch gut erforschten und belegten Kreisläufe der Natur.
Es erscheint nicht nachhaltig und nicht zukunftsfähig, Böden respektive Landschaften zu verbrauchen.

Abbaumengen Torf p.a. in Millionen qm

Die Abbaumengen p.a. schwanken, abhängig u.a. von Genehmigungen, Witterungen; einige Beispiele:

Ein (nationaler) Bedarf wird notfalls durch Importe gedeckt.

Die Zielsetzung bis 2032 ist insbesondere für Niedersachsen – der Hochburg des Torfabbaus in Deutschland –, den Torfabbau unter 1 Mio. qm p.a. zu reduzieren [laut BMEL 2019][8]

8. Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

[Meine Fehlinformation, die ich bei Führungen durch den Rosenpark nannte, war, dass diese Reduktion schon 2020 innerhalb Deutschlands umgesetzt sei – und wir den Bedarf an Torf fast ausnahmslos aus baltischen Staaten decken, was ökologisch gedacht den Verbrauch von Torf natürlich nicht besser, vielmehr in der Gesamtbilanz (Abbau zuzüglich Transport) miserabler machen würde.]

Diese eher »zukunftsgewandte« Reduktion des Torfabbaus würde zugleich eine äquivalente Reduktion des Bedarfs erfordern (anstatt einer Bedarfsdeckung durch Importe) – insoweit eine CO2-Bilanzierung und Reduktion »unter dem Strich« global erfolgen muss und zu rechnen ist.

Der Bedarf respektive die Nachfrage nach Torf muss global runter gefahren werden – im Kontext: die Flächennutzungen respektive der Flächenverbrauch insgesamt ist zu hoch, weit entfernt von »klimaneutral ›0‹«.[9]

Indessen steigen die Importe von Torf aus baltischen Staaten seit 1989.

Demnach bleibt der Bedarf an Torf und die Verwendung von Torf hoch, für Deutschland der letzten Jahre werden Zahlen von ca. 7-8 Mio. qm p.a. genannt; die Ministerien nennen Zahlen allein für Niedersachsen von 8 Mio. qm im Abbau, zusätzlich 3,7 Mio. qm Torf durch Import (überwiegend aus dem Baltikum).

9. Zu Flächenverbrauch und »klimaneutral ›0‹«, siehe Umweltbundesamt, Mai 2021, Siedlungs- und Verkehrsflächen.

Kritisch dazu: NABU, Juli 2020, 30-Hektar-Tag: Kein Grund zum Feiern.

Quintessenz aus beiden Quellen: Der Flächenverbrauch in Deutschland ist zu hoch – Die Zielsetzung, den Flächenverbrauch bis 2050 auf Netto-Null zu reduzieren, erscheint in den derzeitigen (nach Jahren gestaffelten) Zwischenzielen nicht erreichbar.

BMU, Klimaschutzplan 2050 als PDF-Datei.

»Renaturierung« – und Eigenverantortung

»Renaturierungs-Maßnahmen« bei abgebauten Mooren sind wahrlich »Generationen übergreifend«: für 1 Meter Moor-Aufbau braucht es rund 1000 Jahre.[10]

10. Schutz und Entwicklung unserer Moore, NABU, PDF-Datei, S. 6.

Ein gewisser wirtschaftlicher Nutzen des Torfabbaus der letzten rund 70 Jahre führt die gesamte Branche der Subtrat-Hersteller bis zum Erwerbsgärtner – getragen von der Politik und von uns Verbrauchern – zum Gedanken, dass wir die abgebauten und am Ende schlicht »vernässten« Moorflächen den kommenden Generationen durchaus übergeben könnten, mit der Bitte, in den kommenden Jahrhunderten diese von uns bewirtschafteten und »renaturierten« Flächen selbst nicht mehr wirtschaftlich zu nutzen, sondern nunmehr »zu bewahren«.

Diese Denkweise ist wohl kaum ethisch zu nennen.

Kleines Fazit

Eine kleines Fazit zur Bilanzierung des Klimaschutzbeitrages [BMEL] am Beispiel Moore / Torf.

Wir müssen aufhören, kurzlebige (Wegwerf-) Artikel auf der Basis nicht regenerierbarer Ressourcen zu produzieren, zu vermarkten, zu verbrauchen – wie exemplarisch die derzeitigen Substrate auf Torfbasis.

Wir müssen als Kunde aufhören, solche Produkte verwenden zu wollen.

Wir müssen aufhören, uns die Schäden via Statistik und Rechnereien schön zu machen / zu »bilanzieren«.

Wir müssen aufhören, aus gegenwärtigen Interessen die Zukunft kommender Generationen festzuschreiben.

Wir müssen unsere Kurzsichtigkeit korregieren, diese ist vielleicht eine Mischung bestehend aus Unkenntnis, Bequemlichkeit und Eigennutz …

Wir müssen dasjenige (wirtschaftliche) Handeln hinterfragen, das für kommende Menschen nicht zukunfsfähig ist.

Wir müssen auf die Wissenschaft hören.

Wir müssen auf uns achtgeben und auf die kommenden Generationen achtgeben.

Wir müssen lernen, dass Ethik nicht abstrakt ist – und uns selbst zugute kam, kommt – und unserem Leben gut tut.

Aktion Moorschutz

Für den eigenen Garten:

Boden im Garten – Grundsätzliches über die Pflege des eigenen Gartenbodens.

»Helferlein« aus der Gartenbranche und Teil 2 – Kritik an diversen Produkten der Gartenbranche.

Containerwaren des Marktes, Teil 1 und Teil 2 – bringt Licht in die fragwürdige Vermarktung von Rosen.


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