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Sangerhausen wild …

Wild – wild? – wild …

Blicke auf eine Königin

Die beeindruckendste Familie: Wildrosen und deren unmittelbare Abkömmlinge. In der Einfachheit manch ihrer Blüten liegt der ganze Reichtum der Rosenwelt. In nichts anderem. Verborgen in einer vergleichsweise kleinen Frucht schlummert Schönheit, Kraft, die Freude am Neuen sowie die Bewahrung des Alten. Wildrosen sind wunderbar – und wer in ihnen nur eine Art Vorstufe der Rosen heutiger Zeit sieht, die schlichten Blüten als unvollständig, Staubgefäße als nicht zur klassischen Rosenblüte gehörend, na, so mag ich behaupten, versteht nicht viel von Rosen. Über das Jahr gesehen und über die Jahre, die Rosen werden können, sind die Wilden diejenigen, an denen wir als Rosengärtner/-innen nicht achtlos vorbeigehen können. Kümmern so manche moderne Rosen im Garten und haben wir so manche Sorte wiederholt und erneut durch eine andere ersetzt, so bleibt die Wilde am Kompost, im Knick oder an der Grundstücksgrenze zum Nachbarn beständig und wird – zum Neid des Menschen – im Alter immer schöner, kraft- und würdevoller. Das Rosarium Sangerhausen lehrte diese Erfahrung immer wieder aufs Neue: Am Ende eines Rundgangs blieb in der Erinnerung ein imposanter Strauch einer Wildrose.

Die Dichterin Sappho ehrte die Rose im 5.Jh vor Christus – und erhob sie zur Königin. Aber welche Rosen sie wohl vor Augen hatte, dass ihr Blick überschwänglich wurde und ihr diese Zeilen entlockte:

	Es erröten wie die Mädchen nun die Hecken,
	seht nur hin, Oh die Rose, ach, die Rose ist der Blumen Königin!
	
	Rosen beschatten alle Hänge;
	traumlos rieselt der Schlaf
	von ihren bebenden Blättern.
	
	Wenn Zeus den Blumen eine Königin geben wollte,
	müsste die Rose
	diese Krone tragen.

Ja, ja, ich langweile Sie wohlmöglich, dennoch: Welche Rosen hatte diese Dichterin wohl vor Augen? Die »Historischen« oder gar die eines überambitionierten Herrn aus dem fernen England? Ach was, die Wilden und deren Naturhybride, möglicherweise frühe Zufalls-Sämmlinge, irgendwelche Rosen in einem schlichten, jedoch üppigen Blütenkleid. Duftend, imposant im Strauch und beeindruckend in der Frucht. Die Wildrose ist die Sapphische Königin. Und dies lehrt auch ein Spaziergang durch das Europa-Rosarium Sangerhausen.


Eindrücke von der Vielfalt der Wilden – und deren Abkömmlinge

Spinosissima-Hecke, Rosarium Einige heimische Wildrosen und deren Abkömmlinge.
Foto oben zeigt eine Pflanzung verschiedener Spinosissima im Rosarium. Für viele Sorten waren wir Anfang Juni zu spät, keine Blüte. Jedoch die Strauchformen hoben sich auffallend vom umliegenden Park ab.
Wenn man bedenkt, dass diese Sträucher verschiedene Laubfarben in der Saison zeigen, Früchte im Herbst und zu unterschiedlichen Zeiten – mitunter wiederholt im Jahr – in verschiedenen Farben blühen, mag dieses Foto wenigstens annähernd eine Vorstellung geben, wie prachtvoll diese Sorten sein können.
Für die Blütezeit anderer Sorten indessen waren wir genau richtig …

Rosa foetida var. bicolor Verschiedene Wildrosen und Hybride.
Insbesondere aus dem asiatischen Raum.

Fundrose, Rosa rugosa Rosa rugosa in Sangerhausen, einige Sorten. Foto oben zeigt eine Fundrose der Rosa rugosa; das Foto zeige, was häufig zu sehen und bald typisch für diese Art ist: wiederholte Blüte und zugleich gute Fruchtbildner mit gesundem Laub. So zu entdecken an den Küsten Schleswig-Holsteins – und so zeigten sich auch zahlreiche Rugosa-Sorten im Park Sangerhausen.

‘Max Graf’ Wildrosen, Hybride und Rosenzucht. Die bald unscheinbare ‘Max Graf’ schreibt Rosengeschichte: neue Wege der Rosenzucht und robuste Sorten auch für eher »unwirtliche« Lagen.


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