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Charme einmal vererben?

Englische Rosen vereinen den feinen Charme und Duft der Alten Rosen mit der breiten Farbpalette und der langen Blühdauer moderner Rosen.

[Austin, Katalog 2004]

»Charme ist kein Wesen,
das irgendwie in den Dingen
unserer Anschauung hockt. Sondern
in unserer Anschauung.

Der Charme einer Rose
liegt im Auge des Betrachters

– und ihr Duft
in der eigenen Nase.«

– Gedankensplitter

[Quintessenz: Der Unterschied zwischen den Eigenschaften von Rosen zu dem, wie wir Rosen wahrnehmen, sollte schon grundlegend sein. Denn dann würden wir die Suche nach Genen aufgeben, die »Charme« vererben könnten – und im zweiten Atemzug all die Schöngeister belächeln, die uns immer wieder das Gegenteilige lehren wollen.

Ein eierlegendes und milchgebendes Wollschwein wird uns weder die aktuelle Verkaufsrhetorik noch die sich anschickende Genetik bescheren: Alba Rosen etwa, wie ich unten schrieb, werden nicht »modern«, indem man sie bunt macht, sondern indem man sie pflanzt. Die »Vereinigungstendenzen« des modernen Zucht- und Verkaufsbetriebs rund um Rosen sind kulturhistorisch gesehen eine Tragödie. Ordnungsbegriffe haben nunmal keine Gene und ein Zeitgeschmack sieht nicht die enthaltene Vielfalt des Begriffs, sondern sich selbst.

Wir sollten den Blick in die Vielfalt unserer Rosenwelt und die Schönheit ihrer Kulturgeschichte schulen und bewahren, anstatt uns beides einengen zu lassen durch die nebulösen Mythen moderner Verkaufsstrategen und Tagträumern aus der Zucht, dem Vertrieb und der Literatur. Aus unserem eigenen Geschmack des Herzens und des Verstandes unsere Gärten gestalten … wir pflanzen Rosen, niemals »Gene« und Rhetorik.]


Kinder sind keine Schnittmengen ihrer Eltern. Erscheinen die Eltern uns charmant, so müssen uns nicht zwingend die Kinder charmant erscheinen. Und gewendet. Alle Kinder eines Jahrgangs zusammengefasst, sie alle mögen uns charmant erscheinen; deren Eltern aber nicht. Das Kind von Hausnummer 10 erscheint uns charmant, das Kind von Hausnummer 12 nicht. Der Busfahrer aber, der es täglich zur Schule fährt, empfindet es witzig, pfiffig und charmant.

Der Charme der Dinge liegt im Auge des Betrachters. Nirgendwo sonst. Eine Rose kann nichts für »ihren Charme«, den Sie in ihr sehen.

Lapidar formuliert: Charme ist ein Spiegel unserer (ästhetischen) Wahrnehmung.
»Gene« für Charme gibt es nicht. So vererbt er sich auch nicht. Weder bei Rosen, noch bei Kindern.

Das einzige Beständige an unserem Spiegelbild dessen, was uns charmant erscheint, ist: in Bewegung zu sein. Wir wählen aus, wandeln uns, wählen neu und werden irgendwann selbst »historisch«:

Wo man hinschaut: »Charme« ist keine Konstante, sowenig wie »Geschmack« und »Vorlieben« es sind.

Charme findet nirgendwo ein dauerhaftes Äquivalent; unsere Auswahl und unsere Wahrnehmung auch nicht. Es war immer schon so und es ist auch gut so, denn es bringt Schwung in unser Leben und in unsere Kulturgeschichte.

Ein guter Kunde kaufte über Jahre Rosen der aktuellen Zucht. Er kultivierte sie in Töpfen eines viel zu klein gewordenen Gartens. In den vergangenen 2–3 Jahren kaufte er ausschließlich sogenannte Historische Rosen; eine ‘Fantin Latour’, ‘Celsiana’ und eine Moosrose (glaube, es war ‘Madame Edouard Ory’) sowie eine ‘Madame Lauriol de Barny’ sowie eine ‘Blush Hip’ erinnere ich. Auf meine Frage, wie es dazu gekommen sei, nun vermehrt diese »Alten Rosen« pflanzen zu wollen, lautete die schlichte Antwort: Nun, Herr Peters, man entwickelt sich ja weiter …
Ob der Rückblick in die Geschichte der Rose und der Erwerb ihrer Sorten einer Entwicklung des persönlichen Rosen-Gärtnern gleichkommt, beurteilen Sie selbst. Zumindest lässt sich am Kaufverhalten dieses Kunden ablesen, dass Geschmack und Vorliebe keine feste Größen im Leben sind – und die Sommerblüte einiger der ausgewählten Sorten recht unbedeutend auch für einen kleinen Hausgarten und einer arbeitsintensiven Topfkultur sein kann.
Die entscheidenden Kriterien für die Auswahl der Sorten waren neben der Blüte der zu erwartende Habitus der Rosen über das Jahr! Das Laub, die Strauchform. Das betrachte ich allerdings als eine Entwicklung des Blicks auf Rosen dieses kleinen, persönlichen Rosen-Gartens.

»Alte (Historische) Rosen«? Bestenfalls für einen Geisteswissenschaftler interessant, inwieweit es sich erklärt, dass diesen Wörtern einer neuen Ordnung pauschal »Charme« zugesprochen werden konnte. Tausende von unterschiedlichsten Rosen – und alle »charmant«? Es wäre durchaus ein spannendes Untersuchungsfeld, wie es die Sprache immer wieder schafft, wertneutral gedachten Begriffen (hier einer neuzeitlichen Ordnung) Emotionen und damit Werturteile einzuhauchen – und welche Motivationen dies vorantreiben …

Rosen, diese Vielfalt, die dieser Begriff »Alt« beherbergt, diese Vielfalt hat durchaus das Potenzial, unseren Charme zu spiegeln:

Die einen Sorten mehr, die anderen weniger, manche halt nicht, möglicherweise aber später – oder einem selbst halt nie, jedoch einem andern.

Wenn wir aus dieser Vielfalt des Begriffs etwas nach unserem Geschmack herausklauben, können wir diesen, unseren Geschmack doch nicht als Charakterisierung des Begriffs vorstellen.

Pointiert gesagt: Ohne uns selbst zu sehen, gibt es keinen »Charme der Rosen«, den wir in der Welt (oder in einem Begriff) entdecken könnten.

Weder »Alte Rosen« noch »Moderne Rosen« haben »Charme«. Es ist stets Einzelnes aus der Vielfalt, was uns anspricht und charmant erscheint. Ist unsere Auswahl aus dieser Vielfalt oft nicht leicht, macht es sich die Sprache einfach, indem sie verallgemeinert: »der Charme der ›Alten Rosen‹«?

Dieses vereinfachende Bild verknüpft mit den wie auch immer gedachten »Modernen Rosen«? Heraus kommen wundersame Geschöpfe. »Vereinigungen«, derlei ist eine recht abenteuerliche Erfindung in unseren Köpfen, derlei wir aber weder kaufen noch pflanzen können. Wir kultivieren seit jeher Rosen, keine aus einer unreflektierten Sprache geborene »Vorstellungen« … Illusionen – könnte man auch sagen.

Wenn Herrn Austin in diese Gruppe der Alten Rosen hineinschaut, so wählt er aus, wie wir es auch tun; ein Zeitgeist, der so manches für sich entdeckt hat und nun glaubt, es sei das dauerhaft Charakteristische der Rosen dieser Ordnung selbst. Einer Ordnung, die freilich von irgendeiner Rosengesellschaft mal eben so via zeitlicher Definition über die gesamte Rosenwelt gestülpt wurde. Ganz ohne Not. Und ziemlich weit entfernt von einem sachlich-fachlich fein geschliffenen »Brillanten« in der Wortwahl und der zugrunde gelegten Definition.

Eine beliebige Ordnung aus 1967 strukturiert unser Denken.

Schieben wir einen Gedanken zur Wortwahl dieser Neuordnung der Rose aus 1966 hierin: »Alt« als Sammelname zu wählen für ungezählte Rosensorten, die seit Generationen in Kultur sind? Es ist eine ziemlich unglückliche Wortwahl für eine Ordnung, finden Sie nicht? Unvermittelt steht die Tür zu einen Raum auf, der voll mit gedanklichen Verknüpfungen zum Wort »alt« uns überliefert und vertraut ist und diesen Raum wir kaum geschlossen halten können – obgleich wir es müssten – wenn wir von »Alten Rosen« einer zeitlich definierten, wertfrei gedachten Ordnung lesen oder hören.

Was Herr Austin für uns stellvertretend mit Hilfe dieser Wortungetüme zur Sprache bringt, sind im Ergebnis nicht die Rosen dieser Gruppe Alt, es ist bloß sein eigenes Bild und sein Geschmack, beides er zusammen denkt und in die Welt posaunt. Selektiv, vor-geprägt, erlernt und in unzähligen Varianten seines Lebens im Einsatz: Seine persönliche Betrachtung der Rose aber avancierte zur Charakterisierung dieser beliebigen Ordnung irgendeiner Rosengesellschaft – und ist leider kaum mehr aus den Köpfen zu bekommen.[*]

[*] Austin ist der Protagonist dieses Managements der Rose. Ein Liebhaber, der ebenfalls dem Irrtum zu unterliegen scheint, Begriffe seien Rosen, Geschmack deren Charakterisierung – und für beides gäbe es »Gene«. Seine Rosen mag man pflanzen, seine Sprache über Rosen aber meiden, eine Sprache, die leitend wurde für all die »Nachahmer« [ein Begriff des ERS]: All die »romantisch-nostalgischen« Rosen des Marktes. Dies mag man als Teil der Kulturgeschichte begreifen, im Kopf aber sollte die differenzierte Betrachtung wach bleiben, dass hier nicht nur »Liebhaberei« auf die Bühne der Rose tritt, sondern diese Bühne zugleich Verkaufstisch ist: Rosenkultur und Rosenmarkt teilen sich das Rednerpult. Der Rosenmarkt ist das Vehikel eines Irrtums [siehe ebenda den einleitenden Gedanken von Antoine de Rivarol]: Die durch eine neue Ordnung in die Rosenwelt gekommene Sprache und die mit ihr einhergehende Denkart deutet nicht nur die Kulturgeschichte der Rose, vielmehr vermarktet diese Sprache Rosen. Und dies bald omnipräsent und sehr erfolgreich – vom Verkaufskatalog bis in die Literatur. Glauben wir dieser Sprache des Marktes, gestalten wir unsere Gärten möglicherweise aus einem Irrtum.

In vermeintlich einfache, sinnfällige Sätze gepackt, die uns von allerlei Interpreten »des Alten« nunmehr seit rund 50 Jahren zum Besten gegeben werden, entsteht in uns ein Bild der Rose im Spiegelbild eines Zeitgeschmacks und einer recht grob gestrickten Sprache. Der Erfolg dieser Sprache liegt nicht zuletzt darin begründet, weil diese Sätze einfach erscheinen, sinnfällig sind – und wir sie gerne lesen und hören. Denn die Bilder, die diese Sätze in unsern Köpfen entstehen lassen, malen blühende Gärten offenbar nach unserem Geschmack. Wer weder diesen Blick noch diese Sprache über Rosen teilt, wird bestaunt, gar geschimpft, anstatt es einmal andersherum versucht werde: Mr. Austin, ich verstehe Sie nicht, Ihre Sprache malt mir nur gefällige Bilder, die ich weder in meinem Garten noch in der Kulturgeschichte der Rose wieder finde; Sie vermitteln mir einen sehr eingeschränkten, einen sehr persönlichen Blick auf und in die Ordnung der Rose, den ich nicht teilen mag.

Der mir lieb gewonnene Gedanke ist, diese Neuordnung der Rose wäre damals abgelehnt worden. So hätten wir heute keine Sprache, die uns von »Alten Rosen« erzählen will – und sich oftmals selbst nicht versteht.

Eines »Älteren«, dem wir rückblickend bestenfalls wohlwollend begegnen, wie in etwa den antiken Sachen, seien es Gegenstände des Gebrauchs, der Kunst oder Nippes, denen wir aus Lust und Laune noch irgendeinen Platz im modernen Leben einräumen wollen.

Eine Rose, die nach Tee duftet, duftet nach Tee – und nicht »Alt«. Eine Rose, die buschig und im Habitus natürlich wächst, wächst buschig und natürlich – und nicht »Alt«. Eine Rose, die uns an eine alte Sorte erinnern lässt, erinnert uns an eine alte Sorte – und nicht an »Alte Rosen«. Ein Begriff, der als Sammelbegriff derart umfangreich ist, dass wir in jeder Neuheit eine Entsprechung in dieser Gruppe finden könnten, würden wir denn danach suchen. Und so finden wir keinen »Charme ›Alter Rosen‹«, sondern Rosen, die wir charmant empfinden – und wir entdecken dabei nicht nur Rosen, sondern ein Stück weit uns selbst.
Dies gelte als ein Teil des Ganzen auch für den vielbemühten »Duft«.

Der Duft der Alten Rosen

Der Duft der Alten Rosen? Manchen stinkt es schlicht, dieser feine Duft! Ob der Duft nun von einer Rose aus der Gruppe »der Alten« oder »der Modernen« stammt, ist dabei vollkommen gleich: Man mag den jeweiligen Duft einfach nicht. Es ist nichts als Geschmack und Vorliebe, jedoch keine Eigenschaft per se des »Alten«, fein zu duften.
Ihren Rosen, Mr. Austin, ergeht es übrigens bei Ihren eigenen Kunden kein Stück anders. An Ihren Rosen halten so manche Kunden ihre Nase nicht ein zweites mal – oder nur ungern. Kulturabhängig, erfahrungsabhängig, abhängig von der Ausstattung der eigenen Nase duftet, was dem andern nur riecht.

Duftnoten einzukreuzen, ist etwas anderes; ob diese nun fein seien oder nicht: Duftnoten sind vererbbar. In deren Vielfalt und Charakteristik aber so facettenreich wie die Charakteristik von Formen und Farben, von Blüte bis Frucht, von Laub bis Strauchform …

als ein je einzigartiges Zusammenspiel bei der einzelnen Rose.[*]

Einer einzelnen Rose, die uns als Komposition einzelner Teile meinetwegen »charmant« erscheint.

[*] Das eierlegende und milchgebende Wollschwein

Das philosophisch »Einzelne« und das philosophisch »Allgemeine« einmal in der Praxis des Rosenmarkts gesehen; also über die Manie der Rosenzucht und des Rosenverkaufs, alle und alles stets »vereinen« zu wollen.

Der Wert der einzelnen Rosen, so erscheint es mir, geht ein Stück weit verloren, wenn mittels der Sprache und aus einem Zeitgeschmack heraus versucht wird, »gruppen-« oder »klassenspezifische« Eigenschaften zu definieren, um im zweiten Satz von Zuchtergebnissen zu träumen, die diese Gruppen oder Klassen in neuen Kreationen zu vereinen scheinen.

Es ist in etwa so: Die Mähne des Löwen (Panthera leo) wird nicht – ließe sie sich vererben – in einer neuen Kreation zur Mähne der Panthera, denn weder Tiger, Leopard noch Jaguar zeigen diese Felleigenart, wenngleich alle genannten Raubkatzen derselben Gattung zugeordnet sind.

Wir können keine gruppenspezifischen Eigenschaften innerhalb der Rosenordnungen definieren, denn diese Ordnungen haben weder die Exaktheit einer Taxa biologischer Systematik, was in der Kulturgeschichte dieser Ordnungen begründet liegt. Noch sind die Gruppen aus 1966 und die Klassen der verschiedenen Ordnungen hinsichtlich von Eigenschaften der einzelnen Sorten homogen; sie sind nicht einmal international einheitlich im Gebrauch. Es macht keinen Sinn, vom »Duft der Alten Rosen«, gar von deren »Charme«, vom vermeintlichen »Fehlen eines Öfterblühens« bei den »Alten Sorten« oder – gleichsam markttüchtig – von deren »natürlichen, buschigen Wuchs« und so fort zu sprechen. Für derlei gibt es keine Gene, die sich erben ließen, sondern nur eine Sprache, die aus Mangel an Reflexion weitergetragen und »tradiert« wird.

Züchten wir ein Wollschwein …

Einmal ungeachtet dessen, wie unterschiedlich sich die Rosenordnungen uns zeigen, bliebe zu fragen, ob es für uns erstrebenswert sein könnte, zum Beispiel eine »moderne Alba-Hybride« zu züchten. Eine Alba-Hybride etwa mit plakativ orangefarbenen Blüten und — um die Krone aufzusetzen — mit tiefblauen Punkten marmoriert: Eine solche Rose hätte wohl kaum noch etwas von irgendeinem »Charme der Alba-Rosen«, sowenig, wie es etwa den Alba-Rosen an solchen breiteren Farbpaletten [Austin] irgendwie mangelt.

Es ist jenes eierlegende und milchgebende Wollschwein, das passender Weise um 1968, kaum nach jener fragwürdigen Neuordnung der Rosen, auf den umgangssprachlichen Markt kam. Ein gewiss satirisch zu verstehender Ausdruck, um der menscheneigenen Begehrlichkeit, nur zu gerne alles in Einem haben zu wollen, deutlich eine Absage entgegenzusetzen. Übertreibungen – wie dieses »Wollschwein« – öffnen mitunter die Augen.

Ein satirisches Getier also, das für die moderne Rosenzucht im übertragenen Sinn mitunter zielgebend sein mag, das man jedoch nicht wirklich im Garten »kultiviert«. Denn zu viele unterschiedliche Eigenschaften lassen sich wohlmöglich gar nicht »vereinen«, wenn man am Ende nicht vor einer Neuschöpfung stehen will, die weder Huhn, Kuh, Schaf noch Schwein ist und die nur in windigen Sprachführungen eine diffuse »Vereinigung« und eine ebensolche Identität findet. Eine Identität, die uns eine Gedankenwelt aufmacht, die uns nur träumen lässt:

Jeder halbwegs erfahrene Landwirt wird der ehrgeizigen modernen Zucht jenes Wollschwein sicher nicht im Irrglauben abkaufen, er hätte nun glücklich in einem kleinen Pferch »vereint«, wofür er vormals einen ganzen Stall brauchte.
So dürfte es auch ein Zoodirektor sehen, der eine Mähne tragende Neu-Kreuzung gewiss nicht als Ersatz für die verschiedenartigsten Vertreter der Familie »Panthera« nun in einem Käfig sperrt.
Neue ›Alte Rosen‹? Dieser Irrglaube erscheint in der Rosenwelt durchaus beliebt. Ein eierlegendes, milchgebendes Wollschwein im Garten …

Man mag es so sehen:

Alba-Rosen werden nicht »modern«, indem man sie bunt macht … sondern indem man sie pflanzt.

Und nicht jeder rhetorische Griff in die doch prall gefüllte Kiste der Roseneigenschaften, gepaart mit einem fast blind zu nennenden, bestenfalls sinnfälligen Griff in die Rosenordnungen holt eine »Vereinigung« hervor.

Die Sprachspiele der neuzeitlichen Zucht mit den beliebten und mit beliebigen Ordnungsbegriffen, sie verteilen liebend gern an solchen Allgemeinplätzen ihre Sichtweisen von »Vor- und Nachteilen« der Rose: wie es ihnen in den Sinn kommt und markttüchtig erscheint. An Rosen, dies sei stets hervorgehoben, die aus guten Gründen mitunter seit Generationen in Kultur sind. Und sich gewiss nicht auf eine Handvoll bevorzugter Eigenschaften modern verstandener Rosengärten reduzieren lassen.

Ich sehe nirgends »Vereinigungen« irgendwelcher Rosen, Rosenklassen oder gar Gruppen. Diese Hybris ist ein Kind der späten Neuzeit eines heftig umkämpften Rosenmarkts. Und es ist eine Ohrfeige für jedes Verständnis der Kulturgeschichte dieser Pflanze, für deren Züchter und Gärtner/-innen von damals bis zur Gegenwart. Was Frau und Mann heute sieht, sind allenfalls geglückte oder weniger geglückte Neuheiten mit diesen und jenen erfreulichen und weniger erfreulichen Eigenschaften. Es sind neue Sorten, jedoch keine verbesserten »Alte Rosen«.
Wir sollten den weiten, kulturgeschichtlichen Blick auf die Rose stets bewahren, anstatt ihn einengen zu lassen durch den Blick und die Interessen einzelner.

Was in Philosophie und Naturwissenschaft in spannender Weise gelehrt wird, gilt auch für Rosen, dass nämlich ein Ganzes mehr ist als die Summe der einzelnen Teile. In einem großen Wort namens »Emergenz« benannt. Im Grunde aber banal und allgemein vertraut: Kinder sind, werden und bleiben eigenständige Wesen und keine Schnittmengen ihrer Eltern. Dies sei auch für die Rose wahr. Es mag auch die lebensnahe Begründung dafür sein, dass man den konkreten Lebenspartner aus tiefstem Herzen und mit aller Leidenschaft liebt — aber nicht zwangsläufig die Schwiegereltern. Die aber, so sei hinzugefügt, lieben sich zeitgleich – so hoffen wir einmal – selbst – und werden geliebt, von ihren Freunden, Kindern und Enkeln.

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