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‘Souvenir de la Malmaison’

Bourbon-Rose, Beluze 1843, F.
120 cm und mehr, Tee, frisch, stark duftend.

‘Souvenir de la Malmaison’ – kein Bild verfügbar

Ein ellenlanger Text zu einer Rose …

Bei dieser Rose muss man – wegen ihrer Beliebtheit, wegen ihrer Geschichte, die sich im Namen spiegelt – bald vorsichtig sein, will man Kritisches anmerken.

Sag ich mir und allen Liebhabern einfach mal vorab: Es ist eine Rose!

Eine Rose, die auch einen möglicherweise etwas unglücklich erscheinenden Namen hätte erhalten können – ohne hervorrufende Bilder in unseren Köpfen an einen »Kaiserlichen Rosengarten«.
Und die Schönheit ihrer Blüten – ganz unabhängig einmal von diesem glücklich gewählten Namen betrachtet? Geschmacksache! Ehrlich! Purer Geschmack! Nichts als Geschmack.

Nicht wenige Gäste hier in meinem Garten erzählen (mitunter mit einem Hauch einer »Entschuldigung«), dass sie Rosen lieben, die »einfach« seien, nicht gefüllt in ihren Blumen, ungedoppelt, wie es eine Kundin benannte, und also ursprünglich im Erscheinungsbild. Wäre mein Garten voll mit Rosen vom Blütentyp der »Malmaison«, ich würde solche Gäste nicht glücklich sehen. Und mich selbst, nebenbei bemerkt, auch nicht …

Also reden wir »Tacheles«, auch über diese Rose, die zwar über Jahrzehnte des 19.Jh und bis heute beliebt und im Handel ist, gar als »Allerwelts-Rose« zu finden ist in heutigen Baumärkten als auch in der Old Rose Hall of Fame und somit kaum einen Rosenliebhaber kennt, der sie nicht kennt:

Der spätsommerliche Flor oder gar der Herbstflor ist bei dieser und anderen Sorten hier im Norden selten vorzeigbar. Die »Schönwetter-Bilder« bei »HelpMeFind« (HMF) und anderswo nerven mitunter. Ich habe diese Rose in den letzten bummelig 20 Jahren immer wieder vermehrt und in Kultur gehabt: Diese »Schön-Bilder« werden Sie in einem norddeutschen Garten oder in vergleichbaren Lagen nur in einem glücklichen Hochsommer finden. Dabei ist gerade diese Datenbank »HelpMeFind« mit dem selbst auferlegten Anspruch unterwegs, Rosen so zu zeigen, wie sie in den Gärten weltweit sind.*

* Ortsangaben und – soweit möglich – Zeitpunkt der Aufnahmen sollten bei Veröffentlichungen der eigenen Fotos in (weltweit genutzten) Datenbanken wie HMF die Regel sein. Wer mag, siehe dazu Tipps zu HelpMeFind. Zum Thema, Rosen beschreiben, wie sie (in den Gärten und Parks tatsächlich) sind, siehe auch Das »Ingwer-Jensen-Virus«. Herr Jensen brachte bis heute als einziger nutzbare, informative Verkaufskataloge auf den Markt. Wenn die Verkaufskataloge in der Regel schon nichts taugen, auf die wir keinen direkten Einfluss haben, sollten wenigstens die anderweitig verfügbaren Informationsquellen, wo wir uns selbst beteiligen können, so gut wie möglich sein.

Für all diese Kritik und »Nörgelei« an dieser Rose kann diese Rose selbst nichts! Geschmack hin, Geschmack her, Standort hin, Standort her: Es ist eine wunderbare Sorte aus der Geschichte der Rosenkultur und für jeden Garten empfehlenswert, der ihr einen angemessenen Platz und entsprechende Pflege schenkt. Fehlt beides, empfehle ich diese und andere Rosen nicht. Kauft doch lieber andere Rosen, mit denen ihr mit gärtnerischen Mitteln klar kommt! Die Vielfalt der Rose ist doch erschlagend schön …

Die “Malmaison” in Kundengärten

Im ersten Kundengarten: Dort, in einem gepflegten Wohnviertel in Kiel, gedeiht sie seit etlichen Jahren geschützt im Halbschatten eines Hauses von der einen, durch Strauch und Mauer von der anderen Seite. Nur gepudert durch den »Echten Mehltau« war sie auch dort – jedes Jahr. Die Sorte neigt dazu, was ich gut sagen kann, denn ich habe zu meiner Rosenschulen-Zeit die Rosen dieses Gartens einige Jahre lang gepflegt – und kenne dieses Bild auch vom Acker und der damaligen Containerkultur, wo ich in den letzten fünf Jahren des Produktionsbetriebs bis 2014 gegen »Echten Mehltau, Sternrußtau, Rost« nichts mehr ausbrachte (keine »prophylaktischen« oder »heilenden« Spritzmittel). Nur »Falschen Mehltau« behandelte ich damals noch; das machen wir aber heute in unserem Garten auch nicht mehr, obgleich einige tausend Rosen hier stehen: Es ist unnötig!

In einem zweiten Kundengarten, im Garten von Frau Wiese, stand diese Rose sogar prächtig. Obgleich ebenfalls einige Jahre alt, so mochte diese Dame diese Rose doch nicht weiter kultivieren, der Rehe wegen – sie fand übers Jahr fast nur abgeknabberte Triebspitzen vor. Bummelig ein Hektar Gartenland eines alten Gutshauses: Das können und wollen wir auch nicht einzäunen. Ich indessen kann und will: Ich muss meinen Rosengarten einzäunen, der ab 2019 rund 2,5 Hektar umfasst. Will ich Ihnen Rosen zeigen – hilft gegen Rehe nichts anderes! Die »Malmaison« von Frau Wiese fand hinter diesem Zaun 2017 ihr neues zuhause … Vielen Dank für diese und für all die anderen Rosen!

(Verzeihen Sie die Unschärfe der Bilder)

Rehe 2017 Rehe 2017 Rehe 2017

»Meine eigenen Rehe« samt einem Albino auf dem Land, auf dem 2019 der Park erweitert wird. (In meinem Alter darf ich hier ungeduldig werden!)

Gänse 2017 Gänse 2017 Gänse 2017

Gegen Wildgänse hilft kein noch so hoher Zaun – muss aber auch nicht. Obgleich hier auf der Futter-Wiese verteilt etwa 300-400 Gänse Rast machten. Gute Dünger-Spender für Rosen … und sie halten auch die spätere Grasnarbe des wieder artenreichen »Wertgrünlandes«, das wir anstelle der auf den Bildern zu sehenden monotonen Futterwiese aussäen werden, etwas kürzer. (Ich freu mich auf dieses Bild: Eine bunte, heimische Wiese voll mit Leben – und mit »unzähligen« Rosen … Da reichen mir die derzeit rund 5000 qm nicht! Da entwickelt man Gier! Sie verstehen? Zurück zur Rose:)

Vor dem Unbill des Wetters bestand der Schutz der Rose bei Frau Wiese in einer nahliegenden Hecke von einigen Metern und in zwei, drei umstehenden größeren Strauchrosen. Dies genügte offenbar. Ich werde dies bei der Standortwahl bei mir im Garten berücksichtigen. Als Bäuerin kennt sie auch noch Mist und Kompost und als Rosenkennerin sortenspezifische Pflegemaßnahmen. So zeigte sich mir ihre »Malmaison« als fast zwei Meter hoher, vergleichsweise üppiger Strauch – zu meinem Besuch nackt im Herbst zwar, jedoch im Gerüst gut erkennbar, dass sie im Sommer prächtig sein müsste (wenn Regen und Rehe nicht wären) …

Ich muss gestehen, ich hätte es nicht für denkbar gehalten, dass diese Sorte ohne Schaden über die Jahre hier im Norden kommt. Und es stimmt im gewissen Sinne auch, denn auf meine ungläubige Nachfrage teilte mir Frau Wiese mit, dass ihr Exemplar schon immer wieder in strengen Wintern ordentlich Schaden nahm – aber sie »überlebte«, nur Schadhaftes wurde entfernt; dies kannte ich ja schon bei der geschützter stehenden »Malmaison« im zuvor genannten Kundengarten. Und die Sträucher aus beiden Gärten erschienen mir, wie beschrieben, keineswegs schwächlich, wenngleich nicht in der Üppigkeit, wie sich mir diese Sorte in Gegenden zeigte, die von Sonne und Wärme übers Jahr schlicht verwöhnt sind.

Jetzt pflanze ich sie 2017 doch einmal selbst in unseren »norddeutschen Garten« – sozusagen ein »erprobtes Exemplar«, nämlich die Rose von Frau Wiese – und stelle diese Rose als Rose in meinem Garten hier ins Netz. Nicht aber ohne diesen ellenlangen Text hier, der umfangreiche Informationen für Sie und für die Kultur dieser und vergleichbarer Rosen bereitstellen will. Wenn man weiß, was man pflanzt, lebt es sich als Gärtner/-in gut …

‘Souvenir de la Malmaison’ im 19.Jh. und etwas Ahnenkunde

Im 19.Jh. finden sich rund ein Dutzend Sorten unter diesem Namen, fast alle ebenfalls unter Bourbon-Rose oder »Bourbon, Tea« geordnet. Der »Kaiserliche Rosenpark« war im 19.Jh. gewiss präsenter in den Köpfen der Rosenleute als in unserer Zeit – und über die Lizenzierung von Sorten und deren Namen mag man sich an anderer Stelle den neuzeitlichen Kopf zerbrechen. »HelpMeFind« bietet eine gute Übersicht der Sorten von damals. Dort findet sich auch eine Climbing-Form, ebenfalls aus dem 19.Jh. – und ein Sport aus 2009, eine »Malmaison« in Pink.

Eltern der »Malmaison«: ‘Madame Desprez’ (Bourbon, Desprez 1831) x unbekannte Teerose.

‘Madame Desprez’ ist ein Sämling der ‘Rose Edouard’ (Bourbon vor 1819), die auch als Rosa borbonica benannt und als »die erste Bourbon-Rose« geführt wird. Deren Eltern sind die Damaszener-Rose ‘Quatre Saisons Continue’ (vor 1724) x ‘Parsons’ Pink China’ (= ‘Old Blush’), eine jener China- oder Bengal-Rosen, die ab 1750 aus Fernost nach Europa kamen – und die Rosenzucht und die Kultur dieser Pflanze nachhaltig veränderten.
[Siehe China-, Bengal-Rosen, Teerosen; dort finden Sie auch einen Verweis auf Nicht frostfeste China-Rosen mit einigen Fotos.]


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