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Verschiedene Rosensträucher aus komplexen Kreuzungen von Sorten untereinander

– verstärkt ab 20.Jh. – “genetisches Gemenge”

Genetisches Gemenge? – Was schreibt der Mann denn da?! Gene? Sehe ich im Garten nicht – pflanz ich auch nicht!

Stimmt!

Und dennoch macht diese Rubrik Sinn [Sprung zum Textabsatz].

‘Alchymist’ ‘Alchymist’, Kordes 1956, Ger. ( ↑ ) 200–400 cm und mehr, fruchtig, herb, stark duftend.

‘Alsace’ ‘Alsace’, Pekmez 1994, F. 100 cm, zart duftend.

‘A Mackenzie’ ‘A. Mackenzie’, ‘Alexander MacKenzie’, Agriculture Canada (…). ( ↑ ) 150 cm und mehr, zart duftend.

‘Bajazzo’ ‘Bajazzo’, Kordes 2001, Ger. ( ↑ ) 200 cm und mehr, zart duftend.

‘Ballerina’ ‘Ballerina’, »Moschata-Rose«, Bentall 1937, Ger. 120 cm, herb, zart duftend.

‘Benita Ferraro Wallner’ ‘Benita Ferraro Wallner’, Dr. Schmadlak 1994, Ger.

‘Blauwe Stad’ ‘Blauwe Stad’, Interplant 2007, NL. 100 cm, frisch, zart duftend.

‘Borsberg’ ‘Borsberg’, Dr. Schmadlak, Ger.

‘Carefree Beauty’ ‘Carefree Beauty’, ‘Katy Road Pink’, Buck 1977, U.S.. ( ↑ ) 120–150 cm, frisch, edel, gut duftend.

‘České 'Práci čest'’ ‘České 'Práci čest'’, Večeřa 1970, ČSR. ( ↑ ) 200 cm und mehr, zart duftend.

‘City of York’ ‘City of York’, ‘Direktor Benschop’, Tantau 1939, Ger. ( ↑ ) 250 cm und weit mehr, zart duftend.

‘Colossal Meidiland’ ‘Colossal Meidiland’, Meilland 1999, F. 100 cm, zart duftend.

‘Constance Spry’ ‘Constance Spry’, Austin 1961, GB. ( ↑ ) 150 cm und mehr, herb, gut duftend.

‘Cuthbert Grant’ ‘Cuthbert Grant’, Marshall 1958, CAN. 120 cm, zart duftend.

‘Dornröschen’ ‘Dornröschen’, Kordes 1960, Ger. 120 cm und mehr, gut duftend.

‘Dr. Martin Luther Rose’ ‘Dr. Martin Luther Rose’, Scholle 2000, Ger.

‘Dresdner Frauenkirche’ ‘Dresdner Frauenkirche’, Dr. Schmadlak 2005, Ger. 100 cm, Rose, gut duftend.

‘Escapade’ ‘Escapade’, (Himbeer Bonbon), Harkness 1967, GB. 100 cm und mehr, fruchtig, zart duftend.

‘Esprit d’Amour’ ‘Esprit d’Amour’, Vissers vor 2012, BE. 120 cm, fruchtig, herb, gut duftend.

‘Europa-Rosarium Sangerhausen’ ‘Europa-Rosarium Sangerhausen’, Schmadlak 1996, Ger. 120 cm, mild-fruchtig, zart duftend.

‘Floralies Valenciennoises’ ‘Floralies Valenciennoises’, Dorieux I. 1954, F. ( ↑ ) 250 cm und mehr.

‘Fourth of July’ ‘Fourth of July’, Carruth 1999, U.S.. ( ↑ ) 150–250 cm und mehr, fruchtig, gut duftend.

‘Frontenac’ ‘Frontenac’, Svejda 1981, KAN. 120 cm, zart duftend.

‘Gentle Hermione’ ‘Gentle Hermione’, Austin 2005, GB. 120 cm, herb, Tee, stark duftend.

‘Golden Gate’ ‘Golden Gate’, Kordes 1995, Ger. ( ↑ ) 250 cm, frisch, fruchtig (Zitrone), gut duftend.

‘Hella Brumme’ ‘Hella Brumme’, Dr. Schmadlak 1981, ehem. DDR.

‘Irma’ ‘Irma’, (Kordesii-Hybride), Carlsson-Nilsson 2001, SE.
120 cm (und mehr), gut duftend.

‘John Franklin’ ‘John Franklin’, Svejda 1970, KAN. ( ↑ ) 100 cm und mehr, zart duftend.

‘Karl Förster’ ‘Karl Förster’, Kordes 1930, Ger. ( ↑ ) 200 cm, zart duftend.

‘La Rose de Molinard’ ‘La Rose de Molinard’, Delbard 2008, F. 120–150 cm, frisch-fruchtig, edel, stark duftend.

‘La Rose du Petit Prince’ ‘La Rose du Petit Prince’, Delbard 2008, F. 120–150 cm, süß, edel, gut duftend.

“Mermaid, Kreuzung” “Mermaid, Kreuzung”, zart duftend.

‘Midnight Blue’ ‘Midnight Blue’, Strauchrose, Carruth 2004, U.S.. 70 cm, würzig, fein Nelke, zart duftend.

‘Midsummersnow’ ‘Midsummersnow’, Vissers 2001, BE. 70–100 cm, zart duftend.

‘Morden Ruby’ ‘Morden Ruby’, Marshall 1964, CAN. 120 cm, zart duftend.

‘Mozart’ ‘Mozart’, »Moschata-Rose«, Lambertiana, Lambert 1936, Ger. 120 cm und mehr, zart duftend.

‘Perennial Blue’ ‘Perennial Blue’, Mehring (Eurosa) 2003, GB. ( ↑ ) 200–300 cm, süß-herb, zart duftend.

‘Pillnitzer Leuchtfeuer’ ‘Pillnitzer Leuchtfeuer’, Dr. Schmadlak 1971, ehem. DDR.

‘Prairie Joy’ ‘Prairie Joy’, Marshall 1977, KAN. 150 cm, zart duftend.

‘Oh Wow!’ ‘Purple Splash’, ‘Oh Wow!’, Carruth 2009, U.S.. ( ↑ ) 150–250 cm und mehr, zart duftend.

‘Red Ballerina’ ‘Red Ballerina’, Harkness 1978, GB. 120 cm, zart duftend.

‘Robin Hood’ ‘Robin Hood’, Polyantha-Rose, »Moschata-Rose«, Pemberton vor 1927, GB. 100 cm und mehr, zart duftend.

‘Rosario’ ‘Rosario’, Evers, Tantau 1993, Ger. ( ↑ ) 150 cm und weit mehr, mild-fruchtig, Rose, zart duftend.

‘Rosarium Uetersen’ ‘Rosarium Uetersen’, Kordes 1977, Ger. ( ↑ ) 200 cm und mehr, fruchtig (leicht Apfel), gut duftend.

‘Rubina’ ‘Rubina’, Dr. Schmadlak.

‘Saint Swithun’ ‘Saint Swithun’, ‘St. Swithun’, Austin 1993, GB. 120 cm, fruchtig-herb, gut duftend.

“Sämling x Sympathie” “Sämling x Sympathie”, Uli Poppe, Ger.

‘Sangerhausen’ ‘Sangerhausen’, Kordes II 1938, Ger. 100 cm, herb, zart duftend.

‘Schloss-Seusslitz’ ‘Schloss-Seußlitz’, Dechant 1933, Ger. ( ↑ ) 250 cm und mehr, fruchtig, zart duftend.

‘Schloss Wildenfels’ ‘Schloss Wildenfels’, Dr. Schmadlak 1973, ehem. DDR. ( ↑ ) 150 cm, mild-fruchtig, gut duftend.

‘Schneekoppe (Dr. Schmadlak)’ ‘Schneekoppe’, Dr. Schmadlak.

‘Shenandoah’ ‘Shenandoah’, Nicolas 1934, U.S.. ( ↑ ) 250 cm und mehr, gut duftend.

‘So Pretty’ ‘So Pretty’, Meilland 2006, F. 100 cm, zart duftend.

‘Sorbet’ ‘Sorbet’, Meilland 1993, F. ( ↑ ) 200 cm, frisch-fruchtig, gut duftend.

‘Sparrieshoop’ ‘Sparrieshoop’, Kordes 1953, Ger. ( ↑ ) 150 cm und weit mehr, zart duftend.

‘Sweet Haze’ ‘Sweet Haze’, Evers 1997, Tantau 2002, Ger. 80 cm, zart duftend.

‘Szent Erzsebet’ ‘Szent Erzsebet’, ‘Heilige Elisabeth’, Márk 1988, Ungarn. ( ↑ ) 200 cm und mehr, gut duftend.

‘Tapis Volant’ ‘Tapis Volant’, Lens 1982, BE. 120 cm, fruchtig, gut duftend.

‘Tapis Volant x 8653 F 1’ ‘Tapis Volant x 8653 F 1’, Lens 1996, BE.

‘Walter Schmadlak’ ‘Walter Schmadlak’, Dr. Schmadlak 1977, ehem. DDR.

‘Weißer Hirsch’ ‘Weißer Hirsch’, Dr. Schmadlak, ehem. DDR. 120 cm, mild-fruchtig, zart duftend.

‘White Cloud’ ‘White Cloud’, ‘Weisse Wolke’, Kordes 1993, Ger. ( ↑ ) 150 cm und mehr, gut duftend.

‘White Gold’ ‘White Gold (’98)’, Cocker 1998, SCO. 120 cm, süßlich, edel, gut duftend.

‘Wild Rover’ ‘Wild Rover’, Dickson 2007, GB. 120–150 cm, gut duftend.

‘Winnipeg Parks’ ‘Winnipeg Parks’, Marshall 1981, KAN. 100 cm, Tee, gut duftend.

‘Wollerton Old Hall’ ‘Wollerton Old Hall’, Austin 2011, GB. 120 cm, herb, stark duftend.

»Genetisches Gemenge« – Beispiele

‘Turbo’, eine Rugosa-Hybride – was soll das denn sonst sein?

‘Turbo’ ‘Turbo’, Rugosa-Hybride, Meilland vor 1994, F. 120 cm und mehr, zart duftend.

Beispiel ‘Eden Rose ’85’ – wo sind unsere Wildrosen hin?

Schauen Sie aber auf eine exemplarische Ahnentafel, sodann auf die Rose in Ihrem Garten selbst, werden Sie mir möglicherweise doch zustimmen, dass derlei Rosen weder von Seiten ihrer Ahnen noch hinsichtlich ihrer Eigenschaften irgendwie »selbsterklärend« geordnet werden können.
Die Ahnentafel braucht gar nicht mal groß zu sein. Es genüge eine kleine Tafel als Ausschnitt und die Ansicht der Rose selbst. Zum Beispiel die unmittelbar beteiligten Eltern von ‘Eden Rose ’85’:

(Sorte x Sorte x Sorte … ergaben die Eltern-Sorten von ‘Eden Rose ’85’:) ‘Music Dancer’ (Climber, Meilland vor 1984) x ‘Pink Wonder’ (Climber, Meilland 1976).*

* Der Vater ist ein »kletternder« Sport einer Floribunda (Meilland 1970), somit ein echter »Climber« als unmittelbarer Abkömmling einer »Floribunda«, die halt kleiner bleibt.
Die Mutter (‘Music Dancer’) indessen ist eine Kreuzung aus zwei verschiedenen Sorten … deren Eltern sind erneut zwei Sorten (Sie finden u.a. die »Edelrose« ‘Gloria Dei’ väterlicherseits) … usw. usf.

Diese Ahnenlisten neuzeitlicher Zucht können Sie – insofern von den Züchtern offengelegt und damit bekannt – stundenlang rückverfolgen: Sorte x Sorte x Sorte x Sorte x hauseigener Sämling … ergibt irgendeine “Neuheit”.
Auf den Äckern der Rosenzucht wächst ein Mix aus Sorten-Genen par excellence … ohnehin verwandte Sorten werden erneut untereinander gekreuzt, die entstehenden Rosen / Sämlinge mitunter rückgekreuzt mit den Elternsorten … »Inzucht« pur!

Aus diesen unzähligen Sämlingen selektiert der Rosenzüchter (s)eine Handvoll »Neulinge«, die vielversprechend und marktkompatible erscheinen … »Rosen kreieren«? Dies ist in der Rosenzucht eine Fleißarbeit …

Mutig geschweige »innovativ« ist diese neuzeitliche Zucht und ihr Vertrieb nicht – hierfür müsste man vermehrt auf Wildrosen zurückgreifen, anstatt sich auf die Handvoll dieser Urahnen, die unsere Gartenrosen bestimmten, auszuruhen.

In Prozentangabe: magere 5–10 % der verfügbaren Wildrosen bestimmten in den vergangenen 200 Jahren die Gene unserer Gartenrosen.

Man mag darüber fragen, welches »Bild der Rose« wir eigentlich haben – und wie dieses Bild in unseren Köpfen erzeugt und gepflegt wird.

»Innovativ« ist die neuzeitliche Zucht sowenig wie »mutig«: auch und zumal nicht in dieser neuzeitlichen Nostalgie-Romantik-Schwemmeein verklärender Rückblick in die Kulturgeschichte gebärt uns seit bummelig einer Generation einen »Stil des Alten«, eine ungehörige Vereinnahmung der sogenannten »Alten Rosen«: Ein frei erfundener Begriff irgendeiner Klassifikationsbemühung aus 1967, den der Rosenmarkt sofort adaptierte und für seine Zwecke vermarktete. Weltweit, in und aus aller Herren Länder, kursiert seit dem dieses ominöse »Historische der Rose« in unseren Köpfen … und leider auch in unseren Gärten und Parks. Das handlich gemachte »Alte« der Rose in der marktkompatiblen Fokussierung auf irgendwelche Rosenblüten: »Neuheit, Verbesserung, Innovation« – dieser ominöse »Stil des ›Alten‹« modern gemacht. Oder in einer kleineren Variante dieser »Vereinigungs-Träume«: ohnehin gute und bekannte und damit »alte« Sorten einmal werbewirksam »verbessert«, beispielhaft nachzulesen unter Rosa rugosa ‘Foxi’, ‘Swinging Mozart Garden’.

Wenn eine Sorte recht bekannt ist, »Weltrose« gar und sehr beliebt ist, wird der Name dieser Sorten gerne wiederverwendet – ob Verwandtschaft besteht oder nicht. ‘Eden Rose’ gehört zu diesen beliebten Sorten – und so gab es diese Rose alsbald in vermeintlichen Variationen auf dem Markt, nachzulesen unter einem ebenfalls beliebten Markt- und Sortenbegriff: Nostalgie.

Ist der Name einer beliebten Sorte nicht weiter geschützt, werden exakt diese Namen auch gerne für die eigene »Neuheit« genutzt, etwa die bekannte »Moonlight« (Pemberton 1913) findet sich als Klettermaxe® aus 2004 bei Kordes wieder. »Aloha« scheint als Sortenname ebenfalls recht beliebt zu sein; die älteste ‘Aloha’ ist von Boerner aus 1949 – es folgten bis 2003 rund ein halbes Dutzend Rosen unter diesem Sortennamen, Namen, die entweder nicht geschützt (»®«) waren oder deren Schutz abgelaufen ist (in der Regel nach 25 Jahren) und nicht verlängert wurde. Einen guten Überblick zur Sorte ‘Aloha’ bietet HelpMeFind.

Dies sind übliche Marktstreiche … Werbestrategien … mal mehr, mal weniger harmlos, insoweit es die Prägung unseres Bildes von Rosen angeht.

Die unsäglichste Vokabel aber dieser neuzeitlichen Zucht ist Vereinigung. Eine »Vereinigung«, die über eine Handvoll Sämlinge auf dem Acker nicht nur einzelne Sorten »vereint«, sondern via Sprachakrobatik ganze Rosengruppen jener beliebigen Neu-Ordnung rund um »Alt – Modern« – und als Krone dieser sprachlichen Dummheit »vererbt« sie unsere Wahrnehmung von Rosen gleich mit. Im Verkauf funktioniert derlei sogar: Zucht und Vertrieb verankern in unseren Köpfen wortgewaltig deren Bild einer Rose. Herausgekommen ist freilich kein Gemälde von wert, sondern eher eine Werbe-Skizze: Ein strategisch guter Fahrplan für den Umsatz mit Rosen. Für Garten, Park und Landschaft taugt diese Rhetorik des Marktes und der Literatur nichts, so dass zu hoffen bleibt, die Strategien des Marktes werden in einem kulturhistorischen Rückblick späterer Generationen als das eingeordnet, was sie sind: Rosen-Werbung vergangener Zeiten …

Rosenkultur betreibt der Rosenmarkt nicht. Wenigstens nicht immer zum Guten. Es war immer schon und ist bis heute eine Herausforderung, den Verkauf von etwas in unsere Kulturgeschichte angemessen einzuordnen. Derzeit wird so getan, als ob jeder Foliant in Hochglanz-Druck aus der Ecke Zucht und Vertrieb »Literatur« sei – und demnach ein nachhaltiger Beitrag unserer Kultur mit dieser Pflanze. Dies werden kommende Generationen, wenn wir es nicht schaffen, schon für sich selbst richtig stellen …

Der Markt der Rose heute führt dazu, dass »Rose« auf unseren Verkaufstischen nur noch pure Blüte zu sein scheint: im Katalog, im Netz, in der Literatur: Bilder von Blüten, Blüten, Blüten. Da traut man sich gar nicht, einmal eine Frucht oder Laub-Bildchen zu zeigen – oder als »Thumbnail« einen Strauch – aus Sorge, gänzlich vom Markt zu verschwinden … oder neudeutsch: »weggeklickt« zu werden …

Ich darf mich selbst zitieren: Unsere »Gartenrosen« sind reduzierte, »rhetorische« Selektionen aus einer Vielfalt, die für so manche »Liebschaft« vollkommen unbekannt ist. Der Blick des Marktes prägt das Bild der Rose … einer wohl ungehört trauernden »Königin«.

Beispiel Laub. Schauen Sie auf das uniforme Laub der aktuellen »Neuheiten«, da bekommt man die Sorten anhand des Laubes nicht mehr auseinander; schauen Sie auf die mangelhafte Beschreibung dieser Rosen hinsichtlich Frucht, Herbstfarben, Geschmack von Blüte und Laub, als Formgehölz im Garten oder Park, als Schutz- und Nährgehölz im Garten und in der Landschaft, so wundert es nicht, dass Zucht und Vertrieb ihr Glück in dem suchen, was die Rose bei Ihnen, dem potenziellen Kunden, auszumachen scheint: in Blütenvariationen …*

* Ein Ausnahme aus 2010 finden Sie in der Literatur bei Reinhard Witt, Naturnahe Rosen. Siehe die Literaturangabe und Kommentierung unter Links [Sprung zum Absatz].

Frisch auf den Markt als »Strauchrose« gekommen, wuchs ‘Eden ’85’ offenbar dem »modernen« Verständnis eines Strauches folgend zu kräftig. Also galt sie alsbald als »Kletterrose« respektive als »Climber«, obgleich es keine kleiner bleibende Strauchform dieser Sorte gibt: sie wächst halt kräftig. Und wenn Sie die Triebe diese Sorte dann irgendwo festbinden, verwenden Sie diese Rose halt »kletternd«. Es ist eine Verwendungsmöglichkeit, jedoch keine Eigenschaft dieser und all der anderen Rosen in der jeweiligen Ordnung des Marktes …

So läuft ‘Mini Eden Rose’ bei HMF als Miniatur – allerdings großblumig – und um 250 cm hoch, wenn Sie wollen. Can be trained as a climber. So weit HMF: Sie können diese »Miniatur« klettern lassen – oder verwenden, wie Sie wollen …

Von der Blüte her erscheint ‘Eden ’85’ manchem wie eine »Edelrose«; in ihrer Ahnenreihe findet sich sodann auch so manche Hybrid-Tea – und wäre ihr Wuchs kleiner, um 100 cm herum, schlank, aufrecht … sie würde schlicht als »Edelrose« in unseren Ordnungen stehen – und in unseren Gärten.

Es ist die Frage, welche Gene durchschlagen, um solche »Neuheiten« für den Markt zu ordnen – überreichlich Auswahl an Genen haben solche Sorten ja. Also klassifiziert man sie praktisch oder zweckorientiert (»Beet-, Bodendecker-, Kletterrose«). Anstatt in diesem Sinne praktisch oder zweckorientiert könnte man auch verkaufsorientiert oder kundenorientiert sagen – orientiert an einen solventen Mainstream. Mit Verlaub: bescheiden kritische Kunden mit Geld in den Taschen sind für Zucht und Vertrieb die interessantesten Rosenliebhaber/-innen. »Zielgruppe«, wie man es neudeutsch auch gerne sagt.

Dieser Markt könnte, neben der schon bestehenden offiziellen Ordnung von »Kletternden Zwergrosen«, weiter erfinderisch sein und derlei wie »Kletternde Edelrosen« aus dem Hut zaubern; verwundern würde es mich nicht. Wohlgemerkt, nicht als »Sport« einer (klein bleibenden) Edelrosen-Sorte, sondern als – halt wieder einmal auf die Blüte fokussiertes – Zuchtergebnis.
Das Erscheinungsbild von Blüten zu mehreren beisammen an einem Trieb hindert heute ja ohnehin niemand mehr, diese beliebte Klasse der »Edelrosen« für eine »Neuheit« zu bemühen, wenn es denn von der Einzelblüte gesehen irgendwie zu passen scheint … Ich würde bald wetten, dass diese imaginäre Rubrik »Kletternde Edelrosen« zur zweitliebsten Rubrik des Marktes aufsteigen könnte …

Die arme »Weltrose« ‘Eden ’85’ alias ‘Pierre de Ronsard’ stehe hier stellvertretend als Einladung, den Blick auf alle »Neuheiten« der aktuellen Zucht und des Verkaufs zu schärfen.

Ich lade Sie herzlichst dazu ein, zum Beispiel alle Rosenblüten des Marktes einmal bewusst und gänzlich zu ignorieren, um sich voll und ganz auf den vermeintlichen »Rest« zu konzentrieren. Dies wäre auch ein Weg, Rosen zu entdecken …

Diese – den Blick durchaus weitende – »Ignoranz« könnten Sie auch bezüglich der Klassifikationen der Rose üben, bezüglich der Namensgebungen, bezüglich der Werbung … und so mancher Literatur.

Beispiel ‘Carefree Beauty’ – da fragt das Kind nach seinen »wirklichen Eltern« …

‘Appeljack’ (Buck 1962) x [[‘Dean Collins’ (Grandiflora, Lammerts 1953) x Queen Elizabeth (Hybrid Tea, Lammerts 1954)] x [‘Independence’ (Floribunda / Polyantha, Kordes 1951) x ‘Improved Lafayette’ (Floribunda, Smith 1935)]] x ‘Prairie Princess’ (»Strauch«, Buck vor 1967)

Die Ahnenreihen dieser beteiligten Eltern-Sorten lesen sich nicht leichter. ‘Carefree Beauty’ läuft entsprechend (hilflos oder einfallslos zu nennen ) unter »shrub« (»Strauch«), was im »Zweifelsfalle« und damit botanisch gesehen bei Rosen stets stimmig ist: Rosen sind Sträucher.

Wie aber auch sonst will die Klassifikation solche Sorten eindeutig ordnen? »Kletternd« können Sie diese Sorte freilich auch verwenden – so wird sie auch verwendet. Also, wie wäre es mit einer weiteren Rubrik für eine marktorientierte »einfache« Ordnung namens: »Kletternde Strauchrosen«? Warum nicht! Offiziell gibt es schon die erwähnte »Kletternde Zwergrose« – weil man genetisch hier noch einiges zu ordnen weiß, phänotypisch aber nichts passt. Patio- alias Zwergrosen, die »klettern«? Ein wahrlich gelungener Schildbürgerstreich der Klassifikation … beliebig ausbaufähig.

So ordne ich auch diese Rose hier bündig unter »genetisches Gemenge« verschiedener Rosensträucher. Malen Sie sich selbst irgendein Bild dieser Rosen … Machen Sie mit solchen Rosen in Ihrem Garten, was Sie wollen … und was soll ich sagen, diese beiden Vorhaben gehen wunderbar!

Beispiel ‘Schloss Seußlitz’ – Wer nicht suchen will, findet auch nichts …

‘Frau Karl Druschki’ (Remontant-Rose) x ‘Harison´s Yellow’ (Foetida-Spinosissima-Hybride) sind als Eltern angegeben.

Man könnte diese Strauchrose salopp als »Kletterrose« anbieten; sie eignet sich zum Anbinden gut. Sie könnte aber auch als »Remontant-Rose« laufen, wenn – gemäß einer Regel – für die Zuordnung die Mutter bemüht wird. Als »Kreuzung aus einer Wildrosen-Hybride« wäre sie auch gut geordnet …

Beide Elternteile haben komplexe Stammbäume, insbesondere die Mutter ‘Frau Karl Druschki’. Gene verschiedenster Ahnen also sind in dieser Rose zu finden, eine klare, plausible Einordnung in eine (genealogisch wie gartenpraktisch) brauchbare Klasse, fällt schwer – und eine mögliche Verwendung solcher Sorten macht keine Ordnung in der Rosenwelt: »Kletterrose«? Die können Sie auch als »Heckenrose« nehmen, als »Solitär-Strauch« – oder unter »Parkrosen« finden, Ordnungen, die ebenfalls auf dem Markt kursieren. Haben Sie keinen »Park«, sondern einen (größeren oder großen oder mittelgroßen) Garten (oder einfach noch Platz), können Sie diese »Parkrosen« für sich profan als »Gartenrosen« denken und entsprechend verwenden … wie dann auch immer.

Eine Ordnung soll den Überblick sichern – nicht aber Ihren Blick fokussieren bei der Gestaltung Ihres Gartens: »Bodendecker«, »Beetrosen« sind wie »Kletterrosen« und derlei keine brauchbaren Begriffe für eine kreative Gartengestaltung – zumal nicht mittels der Vielfalt, die bei der Rose zu finden ist. Der Markt will es Ihnen mit diversen Begrifflichkeiten leicht machen, Ihnen bei der Sortenauswahl »helfen«, wenn man es wohlwollend sieht, einfach machen halt – um gut und besser verkaufen zu können.

Aber die Rosenvielfalt ist nicht »einfach«. Und wer sagt denn, dass Sie es sich »einfach« machen sollen?

Abgesehen von Ihrem Beitrag – den Sie schon leisten müssen – forschend, nachfragend und via Planung Ihr Grün im Blick zu behalten, sind die frei erfundenen Begriffe des Marktes für die Gestaltung Ihres Gartens eher zu meiden; sie sind weder hilfreich, noch »einfach« – im Gegenteil, sie sind furchtbar kompliziert und reduzieren den Blick auf Rosen auf für diesen Markt brauchbare und »einfach« anzupreisende »Eigenschaften«.

Anders formuliert: Ich werde Ihnen niemals »Beetrosen« anbieten, die Sie dann in Ihr »Beet« pflanzen, keinen »Bodendecker« der Rosen, mit denen Sie den Versuch starten, den »Boden zu bedecken« – und ich biete Ihnen auch keine Rosen-Gehölze als »Kletterrosen und Rambler« an. Derlei pflanzen Sie mal als Strauch und nehmen aus der (überflüssigen) Kategorie »Strauchrosen« irgendeine geeignet erscheinende Sorte für Ihr kletterndes Vorhaben mit Rosen … sei sie definiert »alt« oder »modern« …

Rosenmarkt ist nicht gleich Rosenkultur – und diese Einsicht beginnt schon bei der Planung Ihres eigenen Gartens …

Kurzum, »einfach«, mache ich es Ihnen nicht. Die Vielfalt der Rose und der Gärten funktioniert so nicht. In meinen Garten wenigstens pflanze ich derlei Rubriken des Marktes nicht – nie und nimmer!
Und die Palette der Eigenschaften der Rosen? Die sind bücherfüllend … und damit auch der Einsatz von Rosen im Garten, Park und Landschaft – und nach Ihrem eigenen Geschmack …

Wer nicht suchen will, findet auch nichts …

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